Montag, 15. Januar 2007

9. Einheit vom 11. Jänner 2007

„Das Römische Reich“ von Fritz Mitthof

Es handelt sich um einen Zeitraum von ca. 700 Jahren in Westrom und beinahe 1.500 Jahre im Osten. Es beeindruckte auch durch seine geographische Dimension, seine größte Ausdehnung war im 2. Jh. nC. Die Reichsgrenze verlief dabei überwiegend an natürlichen Scheidelinien. Nur zeitweilig war Gebiet über die 3 Flüsse (Rhein, Donau, Euphrat) hinaus beim römischen Reich.
Es handelt sich um ein allmähliches Auflösen, 476 wird nur als Zeitpunkt von einem Prozess herausgegriffen. In Ostrom hingegen kam es zu einer größeren Konstanz mit Byzanz.
Das lateinische Wort Imperium bezeichnete ursprünglich die Befehlsgewalt eines Beamten im militärischen Bereich. Imperator war ursprünglich der Feldherr. Erst von Augustus wurde es dann als Titel übernommen. Imperium Romanum hat niemals als Selbstbezeichnung gedient.

I) Augustus bis Caracalla
Es gab eine völlig neue Staatsform, zuvor Stadtstaat wo das Volk den Souverän darstellte, aber de facto von den Senatoren kontrolliert wurde, einer kleinen Elite. Der Senat war das Gremium wo aktuelle Regierungsgeschäfte beraten wurden. Dieser Senat ging unter, weil die Standesordnung unter den Senatoren nicht mehr gewahrt wurde, einzelne ragten heraus – nicht zuletzt Augustus. Dieser erließ auch eine monarchische Staatsform und der Senat wurde immer mehr eingeschränkt.
Es gab zwei Kernkompetenzen: erstens imperium proconsulare: Amtsgewalt eines Prokonsuls verlieh dem Kaiser die Befehlsgewalt über diesen, die zweite tribunicia potestas verlieh ihm Kontrolle der Gesetzgebung. In der Forschung gibt es unterschiedliche Auffassung ob Kontinuität oder Bruch. Heute wird stärker von Restauration der Republik gesprochen. Im Laufe der Zeit kam das Wort Prinzipat auf, stand für eine sozial führende Persönlichkeit. Dies war dann die Bezeichnung für die Sonderstellung von Augustus und seiner Nachfolger.

Es gab eine rechtliche Abgrenzung zwischen den römischen Bürgern (cives Romani) und inter peregrinos. Die Unterscheidung verlor zwar an Bedeutung, aber blieb ein Privileg. Es gab weiters den Unterschied zwischen frei (ingenui) und nicht frei (liberti) Geborenen. Weiters gab es die Unterscheidung honestiores mit der Masse der humiliores – vor allem für das Strafrecht wichtig.

Der Senatsadel (ordo senatorius) war im Kaiserreich die vornehmste und bedeutendste Personengruppe. Sie hatten Statussymoble und Ehrenrechte. Sie waren oft Statthalter. Sie bildeten eine Stütze der Kaiser. Aber nun war es der Herrscher, welche Aufgaben der einzelne Senator erhielt.
Dann kam der Ritterstand (ordo equester), die ebenfalls wichtige Posten innehatten, vor allem mittlere und kleine Posten. Sie waren meist nicht dem Kaiser sondern den Beamten der Sentoren unterstellt.
Die dritte Gruppe war die familia Caesaris. Dies waren freigelassene Sklaven. Sie zeichneten sich durch besondere Loyalität aus. Sie hatten wichtige Positionen in der Finanzverwaltung in den Provinzen inne. Es wurde aber nie zugelassen, dass diese die ersten beiden Schichten überholen hätten können.
Als vierte Führungsgruppe gilt die ordo decurionum, diese sind die Oberschicht in den Städten. Sie waren ein Bindeglied mit der Masse der Bevölkerung. Sie waren das Reservoir mit denen sich die übrigen Schichten ergänzten.

Die Herrschaftszonen waren Italien, welches das Kernland darstellte. Allmählich wurde dort die Herrschaft auf ganz Italien von Rom weg ausgebreitet. Sie bildete den eigentlichen Staat und wurde direkt von Rom verwaltet. Sie brauchten viele Steuern nicht zu bezahlen.
Das übrige Gebiet war in Provinzen unterteilt. Erst später hatte es eine geographische Bezeichnung, für Gebiete außerhalb Italiens. Die Leute dort waren zunächst vor allem Nichtbürger. Später nahm die Anzahl aber dann rasch zu.
Die Vasallenreiche an der Peripherie wurden von Rom gefördert. Dies wurde mit Nachdruck betrieben um gefährliche Machtkonstellationen zu unterbinden oder Pufferzonen zu bilden. Es war auch öfters eine Vorstufe zur späteren Integration, wie zB Judaea.

Die Herrschaftsinstrumente war zweifellos vor allem auf die militärische Überlegenheit abgestimmt. Ihre besondere Stärke lag an der Disziplin und guten taktischen Schulung. Die größten Truppenaufgebote wurden auch in inneren und nicht äußeren Konflikten aufgeboten. Die Armee hatte sich über Jahrhunderte entwickelt. Den Kern bildeten Legionen (ca. 30) mit je 5.000 Mann. Es dienten dort ausschließlich römische Bürger, sie wurden vor allem an Grenzregionen eingesetzt. Weiters gab es die auxilia, die Hilfstruppen darstellten und sich aus fremden Völkern zusammensetzten. Auch sie waren vor allem an der Grenze stationiert.
In Rom selbst gab es die Prätorianer, welche eine Art Eliteeinheit darstellten. Wegen der enormen Größe des Reiches, mag es als wenig erscheinen. Aber immerhin 0,5% waren im Militär tätig, durchaus wie heute. Es fand ein Wechsel von einem freiwilligen Heer zu fixen Truppenbeständen statt. Am Ende ihrer Dienstzeit wurden die Soldaten mit einem Landgut und Geld abgefunden, auch hatten die Veteranen eine rechtliche Sonderstellung.
a) Der Kaiser war Garant für Wohlstand und soziale Anerkennung der Soldaten, diese ermöglichten ihm seine Machstellung zu festigen. Als gegenseitige Abhängigkeit. Zwangsrekrutierung war kaum notwendig, es war ein großes Prestige in der Armee zu dienen.
b) Die zweite Stütze war der Verwaltungsapparat. Dieser sollte ein friedsames Leben ermöglichen und sich um die Finanzen kümmern. Es galt das Prinzip der Subsidiarität. Es gab aber eine strenge Aufsicht über die lokale Selbstverwaltung, jederzeitige Intervention war möglich. So konnte aber mit geringem Personalaufwand das Reich regiert werden. In Rom selbst gab es nur 300 Beamte, die auch nur wenige Hilfskräfte hatten.
c) Infrastruktur von Nachrichten: Bau von Straßen, das weit verzweigt war. Später wurde dieses mit Raststationen ergänzt. Dank dieser Infrastruktur konnten Nachrichten in kürzester Zeit übermittelt werden. Außerdem gab es kleine Militärposten, die ständig Informationen weitergaben. So war Rom immer gut informiert.
d) Die finanziellen Ressourcen wurden von Nachhaltigkeit getrieben. Es gab ein umfassendes Abgabe- und Steuersystem. Neben fiskalischen Einnahmen gab es auch Einnahmen aus der Wirtschaft, vor allem aus dem Bergbau.

Die Herrschaftsstabilisierung wurde rasch durch Zuckerbrot erreicht. Nach dem Sieg setzte man vor allem auf Kollaboration und Loyalität. Man zielte auf vollständige Integration ab, wollte mit dem Kern verschmelzen. Die Bürgerrechtspolitik war dabei entscheidend. Dabei wurde oft ganzen Gruppen das Bürgerrecht verliehen, es gab einen liberalen Umgang → einzigartig in der Antike. Dieser Prozess fand seinen Abschluss, als Caracalla allen freien Reichsbewohnern das Bürgerrecht verlieh.
Weiters gab es eine Förderung der lokalen Eliten. So konnte leichter auf diese zugegriffen werden und dessen Know-how bedient werden. Umgekehrt konnten diese besser aufsteigen und gute Karrieren waren möglich. Für diese war ethnischer Hintergrund kaum entscheidend, viel mehr die geistige Ausrichtung war wichtig, ob es dem Wertesystem der Römer entsprach. Die Herkunft der Kaiser selbst waren zunächst Angehörige dem italischen Senatsadel. Erstmals aber dann Trajan und Hadrian kamen die Kaiser aus der Provinz.
Es gab zwar Standesgruppen, aber keine Standesschranken. Sozialer Aufstieg war immer möglich mit besonderen Leistungen und bei guten Kontakten. Auch die Angehörige der Unterschichten hatten Aufstiegschancen, wenn auch geringere. Vor allem der Heeresdienst bot Chancen, so konnte man auch in den Ritterstand aufsteigen. Meist aber passierte der Aufstieg über mehrere Generationen hinweg.
Nach den Provinzen kamen die Städte, die sich selbst verwalten sollten. Sie waren rechenschaftspflichtig gegenüber den zentralen Instanzen. Rom hatte die Entwicklung des Städtewesen überall gefördert, auch wo es überhaupt keine Tradition dafür gab. Einerseits gab es Kolonien, vor allem in der Zeit der Republik, und andererseits Verleihung von Stadtrechte an Siedlungskerne („Munizipia“).
Das Rechtwesen der alten Kultur wurde nicht beseitigt sondern das römische Recht wurde daneben gestellt. Das römische Recht setzte sich aber relativ rasch durch.
Es fand eine Akkulturation statt, eine „Romanisierung“. Es wird darüber gestritten ob es von oben oder unten kam. Auch ob die lokalen Eliten die treibende Kraft waren ist umstritten. Nicht nur bei den Barbaren entwickelte sich dies, sondern auch im Osten, wo zuvor schon die Hellenisierung gab.

II) Symptome der Krise
Niemals ist das dynastische Prinzip in Frage gestellt worden, aber es gab kaum männliche Kinder der Caesaren. Dies war dann auch der Hauptgrund für die Krisen im RR. In Senatskrisen wurden auch Möglichkeiten einer Wahlmonarchie diskutiert. Die Idee des Adoptivkaisertums wurde nur kurze Zeit umgesetzt. Als doch einmal ein Sohn kam, wurde das System endgültig ausgesetzt.
Es dominierte der Gedanke der Erbmonarchie, aber wegen des Mangels an Söhnen ging es nicht ohne Komplikationen vor sich. Zudem kamen erste Militärputsche auf. Die Prätorianergarde rief mehrmals aus ihren Reihen einen Kaiser aus. Aber auch in den Grenzprovinzen wo große Truppen stationiert waren, gab es immer wieder Usurpationen. Statt Bestätigung von Senat und Volk in Rom war es entscheidender sich ausrufen zu lassen. Dadurch wurde aber der Kaiser von Rom selbst gelöst.

Seit dem 2. Jh. gab es einen Stopp der Expansion, ab dem 3. Jh. gab es sogar eine Schrumpfung die bis zuletzt vor sich ging. Britannien konnte nie den Norden unterwerfen, trotz enormer militärischer Mittel. Augustus plante ganz Germanien unter seine Herrschaft zu bekommen, Varus aber verlor 9 nC. Zwar wurde der Limes im Süden nach Osten vor verschoben, aber insgesamt scheiterte man. Dakien wurde im 3. Jh. als erste aufgegeben, weil es sehr schwer zu schützen und halten war. Mesopotamien war immer Schauplatz von unzähligen Kriegen. Beide Seiten reklamierten die Vergangenheit für sich, die Vorbilder waren wichtig für die Herrschaftsideologie. Diese Kriege waren sehr verlustreich, aber es gab nie entscheidende Durchbrüche, größerer Gebietsgewinn war unrealistisch.

Seit dem späten 2. Jh. gab es regelmäßige Angriffe von Barbaren. Immer öfter wurde das RR attackiert und auch gleichzeitig. Nun musste auf Verteidigung und Besitzstandwahrung umgestellt. Es gab eine Verlagerung von der Infanterie auf die Kavallerie. Mobilität war nun auch eine Erfordernis für den Kaiser, sie waren kaum mehr in Rom. Es gab aber nun kaum mehr Usurpationen. Enge Verwandte wurden nun eingebunden beim Regieren.
Die Geldmittel wurden aber durch Inflation stark eingeschränkt. Das gesamte monetäre System geriet ins Wanken.

Auch gesellschaftliche Spannungen wurden immer größer. Der Kaiserthron wurde immer öfter von einem Ritter besetzt, weniger von Senatoren. Dies rief Konflikte hervor. Auch die Angehörigen des Staatsapparates und des Militärs mit der Zivilbevölkerung waren im Konflikt. Auch verlor das Reich die integrative Kraft und Separatismus tritt auf. 2 Sonderreiche in Gallien und Syrien treten auf.

III) Fazit
Das Geheimnis des Erfolgs war, dass es keine Zwangsherrschaft gab sondern auf dem Gedanken der Expansion durch Integration und Akkulturation. Die Untertanen und vor allem deren Führungsschichten wurden profitable Chancen ermöglicht. Falls dies nicht der Fall war, hatte Rom die nötigen militärischen Mittel. Die Expansion war aber eingeschränkt, weil im Süden Nomaden waren, die nicht integriert werden konnten und im Osten es militärisch nicht geschafft wurde. Aber es gab auch Schwächen im Inneren, wie zB Usurpation. Neue Völker formierten sich und bedrohten die Reichsgrenzen. Rom befand sich im steten Abwehrkampf und statt Expansion musste verteidigt werden. Civil Romanorum wurde es nun? Alle Einwohner partizipierten.
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