8. Einheit vom 14. Dezember 2006

Organisatorisches:
Die Prüfungsfragen werden auf die Website homepage.univie.ac.at/ilja.steffelbauer/ gestellt.

Vortrag:
„Karthago“ von Wolfgang Hameter

Der Historiker Polybos schrieb, warum sich die Römer so rasch im Mittelmeerraum ausbreiten konnten. Nach ihm gab es nur zwei Mächte, die den Raum beherrschen konnten – Karthago und Rom. Polybos geht also davon aus, dass Karthago eine imperiale Macht gewesen wäre. Auch Max Weber zählte Karthago zu den „Machtschöpfungen der antiken Polis“. Es geht dabei aber nicht um die universelle Weltherrschaft sondern inwieweit sich eine antike Polis ausbreitete.

Die Karthager stammen von den Phönikern ab, die sehr bekannte Händler waren. Das Stammland von Phönizien liegt im heutigen Libanon, die größten Städte waren Byblos, Sidon und Tyros. Byblos stellt dabei die älteste Stadt dar, während Sidon und Tyros lange Zeit gleichbedeutend waren, bis sich doch Tyros als die wichtigste Stadt herausbildete. Die phönizische Kolonisation gliedert sich in drei Phasen:
• Die erste Phase (1200-1000 vC): Phönizien handeln im gesamten östlichen Mittelmeerraum, eventuell sogar im ganzen Mittelmeer
• Die zweite Phase (1000-800 vC): als mobile Händler fahren die Phönizier die gesamten Küsten ab
• Die dritte Phase (800-700 vC): es werden Siedlungen gegründet. Der Grund liegt darin den Handel zu aktivieren und Rohstoffe zu lukrieren

Die phönizischen Handelskontakte bzw. Kolonien erstreckten sich über:
Zypern (schon früh eine Kolonie), Ägäis (mannigfaltige Kontakte), Sizilien, Sardinien, Italien, Spanien/Portugal (war vor allem wegen dem Silbervorkommen wichtig), Madeira und die gesamte nordafrikanische Küste bis auf Ägypten. Eventuell waren sie sogar in Amerika (Brasilien). Dies ist aber wohl eine Fälschung. Im Mittelmeer wurde immer gegen den Uhrzeigersinn ein Kreis gefahren um den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Es gab zwei Typen von Kolonien: den griechischen, der als sehr autonom gilt und der phönizische, der als sehr abhängig gilt. Die heutige Forschung aber besagt, dass die griechischen Kolonien doch abhängiger waren und die phönizischen doch autonomer waren.

Zwischen 820-800 vC wird Karthago gegründet, es liegt an der Stelle des heutigen Tunis. Daneben befindet sich Utica. Warum wurde Karthago eigentlich gegründet? Es wird davon ausgegangen, dass es nicht zur Sicherung des Handels sondern zur Erschließung von Ackerland gegründet wurde. Es ist gleich von Beginn an relativ groß und wächst vergleichsweise rasch. In der Glanzzeit werden sogar 6-stöckige Gebäude erbaut, bis sie aber soweit waren verging einiges an Zeit. Zunächst ist noch unklar, wie abhängig Karthago von der Mutterstadt Tyros war. Hameter präsentiert zwei deutsche Autoren, die dabei ziemlich gegensätzliche Ansichten vertreten. Das Problem dabei ist, dass nichts von der damaligen Zeit vorhanden ist und nur auf griechische und römische Quellen zurückgegriffen werden kann – diese sind aber sehr stark mit Vorurteile gegen die Karthager belastet, besonders die römischen Quellen.

In Karthago gibt es eine funktionierende Adelsgesellschaft. Karthago wächst und „irgendwann“ werden die west-phönizischen Kolonien zu karthagischen umgewandelt. Ein Erklärungsansatz ist dabei, dass die Assyrer die Phönizier im Mutterland so stark unter Druck setzten, dass diese sich nicht mehr um die Kolonien kümmern konnten. Karthago wächst also und braucht dementsprechend auch die notwendige Versorgung, dabei wird vor allem auf Weizen von Sizilien und Sardinien zurückgegriffen. Man weiß eigentlich nur über Karthago selbst und Sizilien etwas, weil die Griechen darüber berichten, da sie in unmittelbaren Kontakt mit den Karthagern sind. Dabei loben sich aber die griechischen Autoren selbst, während die Karthager schlecht gemacht werden.

480 vC findet die Schlacht bei Himera statt, angeblich am selben Tag wie die Seeschlacht bei Salamis. Fix ist auf jeden Fall, dass die Karthager verlieren. Die Interpretationen sind aber sehr weitläufig. Im nächsten Jahrhundert kämpfen die Griechen und Karthager um die Vorherrschaft auf Sizilien. Immer wieder werden Friedensabkommen vereinbart, die Karthager sind dabei durchaus bereit, nicht den gesamten Anspruch auf die Insel zu erheben, wenn sie für sich einen „guten“ Frieden ausverhandeln.

Die Phönizier passen immer bei den Heiligtümern an oder errichten selbst einen Tempel. Der zweite karthagisch-römische Vertrag von 348 vC war von deutlichen Vorteilen für Karthago geprägt. Die Römer werden dabei ziemlich eingeschränkt, während den Karthagern viele Rechte eingeräumt werden. Rom braucht aber diesen Friedensvertrag, weil sie zu diesem Zeitpunkt relativ schwach sind. Aber 40 Jahre später wird der dritte Vertrag zwischen Karthagern und Römern vereinbart (306 vC). Die Römer sollen sich dabei von Sizilien fernhalten, Karthago darf nun nicht mehr in Italien intervenieren. Rom hat also einen deutlichen Machtzuwachs in der Zwischenzeit zu verbuchen. Der Vertrag wird aber später von Rom verheimlicht weil sonst hätten sie beim ersten Punischen Krieg den Vertrag gebrochen – und Rom bricht ja keine Verträge, das sind immer nur die Karthager.

Der vierte Vertrag kommt durch das Bündnis gegen Pyrrhos (279/278 vC) zustande. Dieser Vertrag ist aber nur als Zusatzklausel gedacht, es hebt die vorherigen Verträge nicht auf. Die Römer intervenieren dann aber in Sizilien und der erste Punische Krieg bricht aus. Die Römer gewinnen und Sizilien wird von Karthago aufgegeben. Durch einen anschließenden Söldneraufstand wird Karthago zusätzlich geschwächt, es gibt Unruhen auf Korsika und Sardinien. Rom nutzt diese Schwächesituation eiskalt aus und Karthago muss zustimmen, dass Rom diese beiden Inseln übernimmt.

Die Karthago sehen ihr Heil nun darin Spanien an sich zu reißen. Hamilkas Barkas, der Vater Hannibals, marschiert auf der iberischen Halbinsel ein. Dies geschieht in einer sehr effizienten Weise und so können die enormen Reparationszahlungen an Rom rasch zurückgezahlt werden. Es kommt 226/225 zum Ebrovertrag zwischen Hasdrubal und den Römern. Die Römer stimmen dem zu, weil sie selbst gerade mit den italischen Kelten in der Poebene beschäftigt sind. Wiederum geht Karthago also diesen Frieden ein, weil es ein guter Vertrag für sie ist.

Dann kommt Hannibal und es kommt zum zweiten Punischen Krieg, dabei geht um Saguntum (an der Küste Spaniens). Zwei lokale Gruppen rufen die beiden Großmächte jeweils zu Hilfe. Römische Unterhändler kommen zu Karthago und wollen dieses Gebiet für sich in Anspruch nehmen. Für Hannibal ist das unannehmbar, besonders nach der Erfahrung mit Korsika und Sardinien. Es ist nun klar, dass es zum Krieg kommt. Trotzdem betonen die Römer, dass die Karthager die Verträge brechen, da sie behaupten es handle sich nicht um den bekannten Fluss Ebro sondern einen Fluss der viel weiter südlich in Spanien liegt. Am Anfang hat Karthago noch Erfolgserlebnisse, aber es wendet sich dann das Blatt und die Römer gewinnen wieder ihre alten Gebiete zurück.

Wiederum können aber die Karthager ihre Reparationszahlungen rasch zurückbezahlen, was Rom abermals stutzig macht. Sie beschließen nun Karthago vollends zu vernichten, was auch im dritten Punischen Krieg passiert. Unter Caesar wird aber auf dem selbigen Gebiet sehr wohl wieder eine Veteranenkolonie gegründet.
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