10. Einheit vom 18. Jänner 2007

Prüfung: Es wird eine Auswahl von den vorgelegten Fragen auf der Homepage kommen.

„Zur Rezeptionsgeschichte der antiken Imperien im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit“ von Thomas Fröschl

Fröschl wird sich in dieser Vorlesung konzentrieren auf die USA bzw. das Mutterland Großbritannien.
Ist die USA ein Imperium, eine imperiale Republik? Das ist momentan eine sehr wichtige Diskussion in den USA. In Europa wird oft bei der Diskussion über Bush geschimpft, ein schwarz-weiß Denken herrscht vor. Dabei wird vergessen, dass seine Amtszeit begrenzt ist. Rom tut heute nicht mehr weh, die USA hingegen ist sehr präsent.

Optimales Programm für ihn:
Begriffsgeschichte
2. Rom: Byzanz
3. Rom: Moskau
Karl der Große (800)
Otto der Große (962)
Hl. Römisches Reich deutscher Nation (bis 1806)
Im Mittelalter mit Dante; Auseinandersetzung Italien – Deutschland
Macciavelli
Britisches Empire des 17. Jh.
La Clemenza de Tito von Mozart (1792)
USA – Bezüge zu Großbritannien, Empirediskussion vom 19.-21. Jahrhundert


Elisabeth I regierte im „goldenen Zeitalter“. Idee der Imperienwanderung von Osten nach Westen. Der Kreislauf geht auch heute weiter, weil die Diskussion nun wiederum China als neue Weltmacht sieht.
England im 18. Jh. zur absoluten Weltmacht denkt jeder sofort an einen Autor: Gibbons („Decline and Fall of the Roman Empire“). Nicht zuletzt im Hinblick mit diesem Buch wurde in den USA bei der Gründung überlegt, wie einem „Fall“ des zu beginnenden Empire verhindert werden kann. Im 18. Jh. wird eine transatlantische Diskussion geführt über das Empire. England orientiert sich an das römische Beispiel an Bildung und Reflexionen über das Reich (Augustus, Cicero, Vergil, ...). Im 18. Jh. ist es klar für England, dass es sich um ein Empire handelt, auch wenn „nur“ eine Königin davor steht. Briefe des Hochadels sind voll mit Zitaten aus der „klassischen Bildung“. England wird oft mit Rom im 19. Jh. verglichen, was gipfelt mit Viktoria, die Kaiserin von Indien wird. Kippling schreibt, dass die Bildung über die Weltherrschaft wichtiger ist als die „schöne Bildung“ und beruft sich dabei auf Vergil – aber Vergil bedauerte dies noch.

Was bedeudet Empire/Reich im 18. Jh.? In einer französischen Enzyklopädie: in der Vergangenheit Rom, heute das Hl. Röm. Reich. Voltaire: „Weder Heilig, noch ein Reich, noch ein Empire“.
Bedeutungen: Herrschaftsausübung, Dominanz, Reich im allerweitesten Sinne – gar nicht so politisch, Größe, Ansehen, „glory“.

In der amerikanischen Auseinandersetzung spielt vor allem Großbritannien und die USA eine Rolle, das Hl. Römische Reich nur von der Struktur her, vom Föderalismus und der Pluralität. Montesquieu und Gibbons sprechen dem Hl. Römischen Reich das Reich ab. Es gibt Widerstand von den Briten gegen den Föderalismus, das muss auch im heutigen Kontext mit dem Widerstand gegen Brüssel heute gesehen werden. Rom und Britannien sind die Ausgangspunkte der USA. Man will ein großes Reich bauen. Kaum einer will heute die USA als Empire ansehen, weil es so negativ konnotiert ist durch Imperialismus. Im 19. Jh. war dies ganz anders. Die Raumdimension ist wichtig, es wird zu glory und zum Imperium aufsteigen – also positiv. Die Bedeutung Empire als großes Reich und nicht als imperialistisches beginnt mit der Unabhängigkeit. Statt der Königin kommt der föderative Kongress. England wird zwar besiegt, aber die innere Struktur scheint zu schwach und es droht in einzelne Länder zu zerfallen. Die Federalist Papers setzen sich zum Ziel, die Bürger New Yorks zur Annahme der Verfassung zu bewegen.

Die Europäer verfolgten die Diskussion genau in den USA. Auch Adam Smith setzte sich damit auseinander → Wealth of Nations. Smith riet Großbritannien die USA in die Unabhängigkeit zu entlassen, es würde ohnehin ein zweites britisches Empire sein. Im 19. Jh. werden die Empire-Vorstellungen laufend ausgesprochen. Die römischen Züge bei der Staatsgründung sind deutlich, aber nicht direkt zu verstehen. Es ist Bildungswissen zur römischen und weniger die griechische Antike nötig um diese Züge zu verstehen. Plutarch gehört zu den ganz großen Figuren, ein großer WortSCHATZ wird von ihm entnommen. Die Auseinandersetzung über die Verfassung wird mit Synonymen geführt.

Es ist eine Tatsache, dass es 2 Phasen von Rom gibt: die Republik (positiv) und das imperiale Rom (negativ). Nach Augustus als Gipfelpunkt wird Rom als negativ angesehen. Alte föderative Verfassung von 1977 mit einer sehr lockeren Reichsstruktur mit sehr dezentralem Föderalismus (Republik). Die neue Verfassung zentralisiert, eine viel stärkere Machtkonzentration (Empire). Die Benennung von Städten geht auf römische und griechische Vorbilder zurück, die gegründet werden oder sogar umbenannt werden.

George III ist eine der meist belesenen Monarchen im 18. Jh., obwohl er als verrückt erklärt wird. 1783 legt George Washington sein Amt nieder, in dem Zeitpunkt wo er am Höhepunkt seiner Macht ist. George sagte darauf: Wenn das passiert, wird er bald sehr mächtig sein in seinem Land. Tatsächlich wurde Washington zum Präsidenten gewählt.

Die neue Republik gründet eine Hauptstadt – Washington. Diese heißt zunächst Federal City, City of Empire und erst dann Washington. Es gibt das Kapitol, den Senat. Washington ist der Pater patriae. Ursprünglich wollte man einen künstlichen Fluss anlegen, der Tiber heißen sollte. Den direkten römischen Einfluss erkennt man auch sehr gut beim Staatssiegel, der 1782 angefertigt wurde. Dort nahm man eine Reihe von Moti von Vergil: Novus Ordo Seclorum („das ist ein neues Zeitalter“) und Annui Coeptis („Das Lächeln über den Anfang“) und ein Pyramidenstumpf mit dem Auge der Vorsehung. Das dritte Motto ist eine Neuschöpfung: E Pluribus Unum („Aus der Vielfalt die Einheit“). Es geht um die Rückkehr eines goldenen Zeitalters, die saturnische Herrschaft wird angetreten.

Die USA hatten in den 1770er/80er Jahren einen National Geographer gehabt. Dieser Mann schrieb 1784 u.a. einen Bericht wo er schreibt „Zur Entwicklung der Imperien in der Weltgeschichte, die bisher existert haben. Wir schauen, wie sich die USA dabei ausnimmt. Alle diese großen Imperien in der Geschichte sind verschwunden, das britische und das russische Imperium werden auch verschwinden. Alle Imperien beruhten auf Eroberung und hatten keine innere Einheit – das wird in den USA anders sein. Alle die zu uns kommen werden assimiliert werden, es wird also ein amerikanisches Volk, eine Kultur und eine Sprache geben.“ Geographisch ist es optimal gelegen, er geht auch davon aus, dass die Pazifikküste zu den USA kommen wird. Es sei ein Empire der Aufklärung, es gibt keine äußeren Feinde, wenn es scheitert sei es also die Schuld von sich selbst und nicht von anderen. Wir werden nicht nur die Herren von Amerika sondern indirekt die Welt. Zum ersten Mal sollte dies also passieren.

Im 19. Jh. dehnt sich die USA aus. Die Überlegungen waren ein neues England zu machen, Philadelphia statt London. Es stellte sich die Frage ob Kolonien gegründet werden hinter den Appalachen. Virgina hatte fast die Hälfte der Gründe hinter den Appalachen. Es kam Angst auf, weil mit europäischen Beispielen argumentierend Virgina nicht Österreich oder Holland werden sollte. Es sollte eine Vielzahl von Staaten geschaffen werden, die Grundstruktur blieb also gleich im amerikanischen Empire. Seit 1787 wird klar festgelegt, dass jedes Gebiet inkludiert werden soll und keine Kolonie sein darf. Unabhängigkeit oder Integration. Heute gibt es eine Zwischenlösung mit Wahlrecht und Demokratie (Bsp. Philippinen). Zwischenglied ist heute Puerto Rico, aber grundsätzlich ist dies eine Anomalie. Abgesehen davon ist die USA ein kontinentales Imperium und nicht jenseits davon. „Empire-Debatte“ am Ende des 19. Jh., weil 1898 im Krieg gegen Spanien Hawaii und Philippinien annektiert werden. Eigentlich müssten diese Gebiete in die Freiheit entlassen werden. Es kommt zu einem Split in heftigen Diskussionen. Einer der schärfsten Gegner ist der Imperialismus und es bekommt seine negative Bedeutung. Es wird nun auf Republik fokussiert, Empire gestrichen, weil negativ. Gegner: Es sei ein Grundwiderspruch der nur durch Gewalt auflösbar sein wird. Man will diese Gebiete aber nicht aufnehmen, weil Asiaten als minderwertig angesehen werden. Parallelsituation mit Henry Adams, ein Gelehrter und Historiker, der dass Jahr 1898 in London war. Er schrieb, dass dies der Übergang von der römischen Republik zum Imperium wäre. Nun gäbe es keinen Präsidenten mehr sondern einen Kaiser.

Nach Fröschl kann Rom mit den USA nicht wirklich verglichen werden, die Situation ist zu unterschiedlich.
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