Donnerstag, 18. Januar 2007

10. Einheit vom 18. Jänner 2007

Prüfung: Es wird eine Auswahl von den vorgelegten Fragen auf der Homepage kommen.

„Zur Rezeptionsgeschichte der antiken Imperien im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit“ von Thomas Fröschl

Fröschl wird sich in dieser Vorlesung konzentrieren auf die USA bzw. das Mutterland Großbritannien.
Ist die USA ein Imperium, eine imperiale Republik? Das ist momentan eine sehr wichtige Diskussion in den USA. In Europa wird oft bei der Diskussion über Bush geschimpft, ein schwarz-weiß Denken herrscht vor. Dabei wird vergessen, dass seine Amtszeit begrenzt ist. Rom tut heute nicht mehr weh, die USA hingegen ist sehr präsent.

Optimales Programm für ihn:
Begriffsgeschichte
2. Rom: Byzanz
3. Rom: Moskau
Karl der Große (800)
Otto der Große (962)
Hl. Römisches Reich deutscher Nation (bis 1806)
Im Mittelalter mit Dante; Auseinandersetzung Italien – Deutschland
Macciavelli
Britisches Empire des 17. Jh.
La Clemenza de Tito von Mozart (1792)
USA – Bezüge zu Großbritannien, Empirediskussion vom 19.-21. Jahrhundert


Elisabeth I regierte im „goldenen Zeitalter“. Idee der Imperienwanderung von Osten nach Westen. Der Kreislauf geht auch heute weiter, weil die Diskussion nun wiederum China als neue Weltmacht sieht.
England im 18. Jh. zur absoluten Weltmacht denkt jeder sofort an einen Autor: Gibbons („Decline and Fall of the Roman Empire“). Nicht zuletzt im Hinblick mit diesem Buch wurde in den USA bei der Gründung überlegt, wie einem „Fall“ des zu beginnenden Empire verhindert werden kann. Im 18. Jh. wird eine transatlantische Diskussion geführt über das Empire. England orientiert sich an das römische Beispiel an Bildung und Reflexionen über das Reich (Augustus, Cicero, Vergil, ...). Im 18. Jh. ist es klar für England, dass es sich um ein Empire handelt, auch wenn „nur“ eine Königin davor steht. Briefe des Hochadels sind voll mit Zitaten aus der „klassischen Bildung“. England wird oft mit Rom im 19. Jh. verglichen, was gipfelt mit Viktoria, die Kaiserin von Indien wird. Kippling schreibt, dass die Bildung über die Weltherrschaft wichtiger ist als die „schöne Bildung“ und beruft sich dabei auf Vergil – aber Vergil bedauerte dies noch.

Was bedeudet Empire/Reich im 18. Jh.? In einer französischen Enzyklopädie: in der Vergangenheit Rom, heute das Hl. Röm. Reich. Voltaire: „Weder Heilig, noch ein Reich, noch ein Empire“.
Bedeutungen: Herrschaftsausübung, Dominanz, Reich im allerweitesten Sinne – gar nicht so politisch, Größe, Ansehen, „glory“.

In der amerikanischen Auseinandersetzung spielt vor allem Großbritannien und die USA eine Rolle, das Hl. Römische Reich nur von der Struktur her, vom Föderalismus und der Pluralität. Montesquieu und Gibbons sprechen dem Hl. Römischen Reich das Reich ab. Es gibt Widerstand von den Briten gegen den Föderalismus, das muss auch im heutigen Kontext mit dem Widerstand gegen Brüssel heute gesehen werden. Rom und Britannien sind die Ausgangspunkte der USA. Man will ein großes Reich bauen. Kaum einer will heute die USA als Empire ansehen, weil es so negativ konnotiert ist durch Imperialismus. Im 19. Jh. war dies ganz anders. Die Raumdimension ist wichtig, es wird zu glory und zum Imperium aufsteigen – also positiv. Die Bedeutung Empire als großes Reich und nicht als imperialistisches beginnt mit der Unabhängigkeit. Statt der Königin kommt der föderative Kongress. England wird zwar besiegt, aber die innere Struktur scheint zu schwach und es droht in einzelne Länder zu zerfallen. Die Federalist Papers setzen sich zum Ziel, die Bürger New Yorks zur Annahme der Verfassung zu bewegen.

Die Europäer verfolgten die Diskussion genau in den USA. Auch Adam Smith setzte sich damit auseinander → Wealth of Nations. Smith riet Großbritannien die USA in die Unabhängigkeit zu entlassen, es würde ohnehin ein zweites britisches Empire sein. Im 19. Jh. werden die Empire-Vorstellungen laufend ausgesprochen. Die römischen Züge bei der Staatsgründung sind deutlich, aber nicht direkt zu verstehen. Es ist Bildungswissen zur römischen und weniger die griechische Antike nötig um diese Züge zu verstehen. Plutarch gehört zu den ganz großen Figuren, ein großer WortSCHATZ wird von ihm entnommen. Die Auseinandersetzung über die Verfassung wird mit Synonymen geführt.

Es ist eine Tatsache, dass es 2 Phasen von Rom gibt: die Republik (positiv) und das imperiale Rom (negativ). Nach Augustus als Gipfelpunkt wird Rom als negativ angesehen. Alte föderative Verfassung von 1977 mit einer sehr lockeren Reichsstruktur mit sehr dezentralem Föderalismus (Republik). Die neue Verfassung zentralisiert, eine viel stärkere Machtkonzentration (Empire). Die Benennung von Städten geht auf römische und griechische Vorbilder zurück, die gegründet werden oder sogar umbenannt werden.

George III ist eine der meist belesenen Monarchen im 18. Jh., obwohl er als verrückt erklärt wird. 1783 legt George Washington sein Amt nieder, in dem Zeitpunkt wo er am Höhepunkt seiner Macht ist. George sagte darauf: Wenn das passiert, wird er bald sehr mächtig sein in seinem Land. Tatsächlich wurde Washington zum Präsidenten gewählt.

Die neue Republik gründet eine Hauptstadt – Washington. Diese heißt zunächst Federal City, City of Empire und erst dann Washington. Es gibt das Kapitol, den Senat. Washington ist der Pater patriae. Ursprünglich wollte man einen künstlichen Fluss anlegen, der Tiber heißen sollte. Den direkten römischen Einfluss erkennt man auch sehr gut beim Staatssiegel, der 1782 angefertigt wurde. Dort nahm man eine Reihe von Moti von Vergil: Novus Ordo Seclorum („das ist ein neues Zeitalter“) und Annui Coeptis („Das Lächeln über den Anfang“) und ein Pyramidenstumpf mit dem Auge der Vorsehung. Das dritte Motto ist eine Neuschöpfung: E Pluribus Unum („Aus der Vielfalt die Einheit“). Es geht um die Rückkehr eines goldenen Zeitalters, die saturnische Herrschaft wird angetreten.

Die USA hatten in den 1770er/80er Jahren einen National Geographer gehabt. Dieser Mann schrieb 1784 u.a. einen Bericht wo er schreibt „Zur Entwicklung der Imperien in der Weltgeschichte, die bisher existert haben. Wir schauen, wie sich die USA dabei ausnimmt. Alle diese großen Imperien in der Geschichte sind verschwunden, das britische und das russische Imperium werden auch verschwinden. Alle Imperien beruhten auf Eroberung und hatten keine innere Einheit – das wird in den USA anders sein. Alle die zu uns kommen werden assimiliert werden, es wird also ein amerikanisches Volk, eine Kultur und eine Sprache geben.“ Geographisch ist es optimal gelegen, er geht auch davon aus, dass die Pazifikküste zu den USA kommen wird. Es sei ein Empire der Aufklärung, es gibt keine äußeren Feinde, wenn es scheitert sei es also die Schuld von sich selbst und nicht von anderen. Wir werden nicht nur die Herren von Amerika sondern indirekt die Welt. Zum ersten Mal sollte dies also passieren.

Im 19. Jh. dehnt sich die USA aus. Die Überlegungen waren ein neues England zu machen, Philadelphia statt London. Es stellte sich die Frage ob Kolonien gegründet werden hinter den Appalachen. Virgina hatte fast die Hälfte der Gründe hinter den Appalachen. Es kam Angst auf, weil mit europäischen Beispielen argumentierend Virgina nicht Österreich oder Holland werden sollte. Es sollte eine Vielzahl von Staaten geschaffen werden, die Grundstruktur blieb also gleich im amerikanischen Empire. Seit 1787 wird klar festgelegt, dass jedes Gebiet inkludiert werden soll und keine Kolonie sein darf. Unabhängigkeit oder Integration. Heute gibt es eine Zwischenlösung mit Wahlrecht und Demokratie (Bsp. Philippinen). Zwischenglied ist heute Puerto Rico, aber grundsätzlich ist dies eine Anomalie. Abgesehen davon ist die USA ein kontinentales Imperium und nicht jenseits davon. „Empire-Debatte“ am Ende des 19. Jh., weil 1898 im Krieg gegen Spanien Hawaii und Philippinien annektiert werden. Eigentlich müssten diese Gebiete in die Freiheit entlassen werden. Es kommt zu einem Split in heftigen Diskussionen. Einer der schärfsten Gegner ist der Imperialismus und es bekommt seine negative Bedeutung. Es wird nun auf Republik fokussiert, Empire gestrichen, weil negativ. Gegner: Es sei ein Grundwiderspruch der nur durch Gewalt auflösbar sein wird. Man will diese Gebiete aber nicht aufnehmen, weil Asiaten als minderwertig angesehen werden. Parallelsituation mit Henry Adams, ein Gelehrter und Historiker, der dass Jahr 1898 in London war. Er schrieb, dass dies der Übergang von der römischen Republik zum Imperium wäre. Nun gäbe es keinen Präsidenten mehr sondern einen Kaiser.

Nach Fröschl kann Rom mit den USA nicht wirklich verglichen werden, die Situation ist zu unterschiedlich.

Montag, 15. Januar 2007

9. Einheit vom 11. Jänner 2007

„Das Römische Reich“ von Fritz Mitthof

Es handelt sich um einen Zeitraum von ca. 700 Jahren in Westrom und beinahe 1.500 Jahre im Osten. Es beeindruckte auch durch seine geographische Dimension, seine größte Ausdehnung war im 2. Jh. nC. Die Reichsgrenze verlief dabei überwiegend an natürlichen Scheidelinien. Nur zeitweilig war Gebiet über die 3 Flüsse (Rhein, Donau, Euphrat) hinaus beim römischen Reich.
Es handelt sich um ein allmähliches Auflösen, 476 wird nur als Zeitpunkt von einem Prozess herausgegriffen. In Ostrom hingegen kam es zu einer größeren Konstanz mit Byzanz.
Das lateinische Wort Imperium bezeichnete ursprünglich die Befehlsgewalt eines Beamten im militärischen Bereich. Imperator war ursprünglich der Feldherr. Erst von Augustus wurde es dann als Titel übernommen. Imperium Romanum hat niemals als Selbstbezeichnung gedient.

I) Augustus bis Caracalla
Es gab eine völlig neue Staatsform, zuvor Stadtstaat wo das Volk den Souverän darstellte, aber de facto von den Senatoren kontrolliert wurde, einer kleinen Elite. Der Senat war das Gremium wo aktuelle Regierungsgeschäfte beraten wurden. Dieser Senat ging unter, weil die Standesordnung unter den Senatoren nicht mehr gewahrt wurde, einzelne ragten heraus – nicht zuletzt Augustus. Dieser erließ auch eine monarchische Staatsform und der Senat wurde immer mehr eingeschränkt.
Es gab zwei Kernkompetenzen: erstens imperium proconsulare: Amtsgewalt eines Prokonsuls verlieh dem Kaiser die Befehlsgewalt über diesen, die zweite tribunicia potestas verlieh ihm Kontrolle der Gesetzgebung. In der Forschung gibt es unterschiedliche Auffassung ob Kontinuität oder Bruch. Heute wird stärker von Restauration der Republik gesprochen. Im Laufe der Zeit kam das Wort Prinzipat auf, stand für eine sozial führende Persönlichkeit. Dies war dann die Bezeichnung für die Sonderstellung von Augustus und seiner Nachfolger.

Es gab eine rechtliche Abgrenzung zwischen den römischen Bürgern (cives Romani) und inter peregrinos. Die Unterscheidung verlor zwar an Bedeutung, aber blieb ein Privileg. Es gab weiters den Unterschied zwischen frei (ingenui) und nicht frei (liberti) Geborenen. Weiters gab es die Unterscheidung honestiores mit der Masse der humiliores – vor allem für das Strafrecht wichtig.

Der Senatsadel (ordo senatorius) war im Kaiserreich die vornehmste und bedeutendste Personengruppe. Sie hatten Statussymoble und Ehrenrechte. Sie waren oft Statthalter. Sie bildeten eine Stütze der Kaiser. Aber nun war es der Herrscher, welche Aufgaben der einzelne Senator erhielt.
Dann kam der Ritterstand (ordo equester), die ebenfalls wichtige Posten innehatten, vor allem mittlere und kleine Posten. Sie waren meist nicht dem Kaiser sondern den Beamten der Sentoren unterstellt.
Die dritte Gruppe war die familia Caesaris. Dies waren freigelassene Sklaven. Sie zeichneten sich durch besondere Loyalität aus. Sie hatten wichtige Positionen in der Finanzverwaltung in den Provinzen inne. Es wurde aber nie zugelassen, dass diese die ersten beiden Schichten überholen hätten können.
Als vierte Führungsgruppe gilt die ordo decurionum, diese sind die Oberschicht in den Städten. Sie waren ein Bindeglied mit der Masse der Bevölkerung. Sie waren das Reservoir mit denen sich die übrigen Schichten ergänzten.

Die Herrschaftszonen waren Italien, welches das Kernland darstellte. Allmählich wurde dort die Herrschaft auf ganz Italien von Rom weg ausgebreitet. Sie bildete den eigentlichen Staat und wurde direkt von Rom verwaltet. Sie brauchten viele Steuern nicht zu bezahlen.
Das übrige Gebiet war in Provinzen unterteilt. Erst später hatte es eine geographische Bezeichnung, für Gebiete außerhalb Italiens. Die Leute dort waren zunächst vor allem Nichtbürger. Später nahm die Anzahl aber dann rasch zu.
Die Vasallenreiche an der Peripherie wurden von Rom gefördert. Dies wurde mit Nachdruck betrieben um gefährliche Machtkonstellationen zu unterbinden oder Pufferzonen zu bilden. Es war auch öfters eine Vorstufe zur späteren Integration, wie zB Judaea.

Die Herrschaftsinstrumente war zweifellos vor allem auf die militärische Überlegenheit abgestimmt. Ihre besondere Stärke lag an der Disziplin und guten taktischen Schulung. Die größten Truppenaufgebote wurden auch in inneren und nicht äußeren Konflikten aufgeboten. Die Armee hatte sich über Jahrhunderte entwickelt. Den Kern bildeten Legionen (ca. 30) mit je 5.000 Mann. Es dienten dort ausschließlich römische Bürger, sie wurden vor allem an Grenzregionen eingesetzt. Weiters gab es die auxilia, die Hilfstruppen darstellten und sich aus fremden Völkern zusammensetzten. Auch sie waren vor allem an der Grenze stationiert.
In Rom selbst gab es die Prätorianer, welche eine Art Eliteeinheit darstellten. Wegen der enormen Größe des Reiches, mag es als wenig erscheinen. Aber immerhin 0,5% waren im Militär tätig, durchaus wie heute. Es fand ein Wechsel von einem freiwilligen Heer zu fixen Truppenbeständen statt. Am Ende ihrer Dienstzeit wurden die Soldaten mit einem Landgut und Geld abgefunden, auch hatten die Veteranen eine rechtliche Sonderstellung.
a) Der Kaiser war Garant für Wohlstand und soziale Anerkennung der Soldaten, diese ermöglichten ihm seine Machstellung zu festigen. Als gegenseitige Abhängigkeit. Zwangsrekrutierung war kaum notwendig, es war ein großes Prestige in der Armee zu dienen.
b) Die zweite Stütze war der Verwaltungsapparat. Dieser sollte ein friedsames Leben ermöglichen und sich um die Finanzen kümmern. Es galt das Prinzip der Subsidiarität. Es gab aber eine strenge Aufsicht über die lokale Selbstverwaltung, jederzeitige Intervention war möglich. So konnte aber mit geringem Personalaufwand das Reich regiert werden. In Rom selbst gab es nur 300 Beamte, die auch nur wenige Hilfskräfte hatten.
c) Infrastruktur von Nachrichten: Bau von Straßen, das weit verzweigt war. Später wurde dieses mit Raststationen ergänzt. Dank dieser Infrastruktur konnten Nachrichten in kürzester Zeit übermittelt werden. Außerdem gab es kleine Militärposten, die ständig Informationen weitergaben. So war Rom immer gut informiert.
d) Die finanziellen Ressourcen wurden von Nachhaltigkeit getrieben. Es gab ein umfassendes Abgabe- und Steuersystem. Neben fiskalischen Einnahmen gab es auch Einnahmen aus der Wirtschaft, vor allem aus dem Bergbau.

Die Herrschaftsstabilisierung wurde rasch durch Zuckerbrot erreicht. Nach dem Sieg setzte man vor allem auf Kollaboration und Loyalität. Man zielte auf vollständige Integration ab, wollte mit dem Kern verschmelzen. Die Bürgerrechtspolitik war dabei entscheidend. Dabei wurde oft ganzen Gruppen das Bürgerrecht verliehen, es gab einen liberalen Umgang → einzigartig in der Antike. Dieser Prozess fand seinen Abschluss, als Caracalla allen freien Reichsbewohnern das Bürgerrecht verlieh.
Weiters gab es eine Förderung der lokalen Eliten. So konnte leichter auf diese zugegriffen werden und dessen Know-how bedient werden. Umgekehrt konnten diese besser aufsteigen und gute Karrieren waren möglich. Für diese war ethnischer Hintergrund kaum entscheidend, viel mehr die geistige Ausrichtung war wichtig, ob es dem Wertesystem der Römer entsprach. Die Herkunft der Kaiser selbst waren zunächst Angehörige dem italischen Senatsadel. Erstmals aber dann Trajan und Hadrian kamen die Kaiser aus der Provinz.
Es gab zwar Standesgruppen, aber keine Standesschranken. Sozialer Aufstieg war immer möglich mit besonderen Leistungen und bei guten Kontakten. Auch die Angehörige der Unterschichten hatten Aufstiegschancen, wenn auch geringere. Vor allem der Heeresdienst bot Chancen, so konnte man auch in den Ritterstand aufsteigen. Meist aber passierte der Aufstieg über mehrere Generationen hinweg.
Nach den Provinzen kamen die Städte, die sich selbst verwalten sollten. Sie waren rechenschaftspflichtig gegenüber den zentralen Instanzen. Rom hatte die Entwicklung des Städtewesen überall gefördert, auch wo es überhaupt keine Tradition dafür gab. Einerseits gab es Kolonien, vor allem in der Zeit der Republik, und andererseits Verleihung von Stadtrechte an Siedlungskerne („Munizipia“).
Das Rechtwesen der alten Kultur wurde nicht beseitigt sondern das römische Recht wurde daneben gestellt. Das römische Recht setzte sich aber relativ rasch durch.
Es fand eine Akkulturation statt, eine „Romanisierung“. Es wird darüber gestritten ob es von oben oder unten kam. Auch ob die lokalen Eliten die treibende Kraft waren ist umstritten. Nicht nur bei den Barbaren entwickelte sich dies, sondern auch im Osten, wo zuvor schon die Hellenisierung gab.

II) Symptome der Krise
Niemals ist das dynastische Prinzip in Frage gestellt worden, aber es gab kaum männliche Kinder der Caesaren. Dies war dann auch der Hauptgrund für die Krisen im RR. In Senatskrisen wurden auch Möglichkeiten einer Wahlmonarchie diskutiert. Die Idee des Adoptivkaisertums wurde nur kurze Zeit umgesetzt. Als doch einmal ein Sohn kam, wurde das System endgültig ausgesetzt.
Es dominierte der Gedanke der Erbmonarchie, aber wegen des Mangels an Söhnen ging es nicht ohne Komplikationen vor sich. Zudem kamen erste Militärputsche auf. Die Prätorianergarde rief mehrmals aus ihren Reihen einen Kaiser aus. Aber auch in den Grenzprovinzen wo große Truppen stationiert waren, gab es immer wieder Usurpationen. Statt Bestätigung von Senat und Volk in Rom war es entscheidender sich ausrufen zu lassen. Dadurch wurde aber der Kaiser von Rom selbst gelöst.

Seit dem 2. Jh. gab es einen Stopp der Expansion, ab dem 3. Jh. gab es sogar eine Schrumpfung die bis zuletzt vor sich ging. Britannien konnte nie den Norden unterwerfen, trotz enormer militärischer Mittel. Augustus plante ganz Germanien unter seine Herrschaft zu bekommen, Varus aber verlor 9 nC. Zwar wurde der Limes im Süden nach Osten vor verschoben, aber insgesamt scheiterte man. Dakien wurde im 3. Jh. als erste aufgegeben, weil es sehr schwer zu schützen und halten war. Mesopotamien war immer Schauplatz von unzähligen Kriegen. Beide Seiten reklamierten die Vergangenheit für sich, die Vorbilder waren wichtig für die Herrschaftsideologie. Diese Kriege waren sehr verlustreich, aber es gab nie entscheidende Durchbrüche, größerer Gebietsgewinn war unrealistisch.

Seit dem späten 2. Jh. gab es regelmäßige Angriffe von Barbaren. Immer öfter wurde das RR attackiert und auch gleichzeitig. Nun musste auf Verteidigung und Besitzstandwahrung umgestellt. Es gab eine Verlagerung von der Infanterie auf die Kavallerie. Mobilität war nun auch eine Erfordernis für den Kaiser, sie waren kaum mehr in Rom. Es gab aber nun kaum mehr Usurpationen. Enge Verwandte wurden nun eingebunden beim Regieren.
Die Geldmittel wurden aber durch Inflation stark eingeschränkt. Das gesamte monetäre System geriet ins Wanken.

Auch gesellschaftliche Spannungen wurden immer größer. Der Kaiserthron wurde immer öfter von einem Ritter besetzt, weniger von Senatoren. Dies rief Konflikte hervor. Auch die Angehörigen des Staatsapparates und des Militärs mit der Zivilbevölkerung waren im Konflikt. Auch verlor das Reich die integrative Kraft und Separatismus tritt auf. 2 Sonderreiche in Gallien und Syrien treten auf.

III) Fazit
Das Geheimnis des Erfolgs war, dass es keine Zwangsherrschaft gab sondern auf dem Gedanken der Expansion durch Integration und Akkulturation. Die Untertanen und vor allem deren Führungsschichten wurden profitable Chancen ermöglicht. Falls dies nicht der Fall war, hatte Rom die nötigen militärischen Mittel. Die Expansion war aber eingeschränkt, weil im Süden Nomaden waren, die nicht integriert werden konnten und im Osten es militärisch nicht geschafft wurde. Aber es gab auch Schwächen im Inneren, wie zB Usurpation. Neue Völker formierten sich und bedrohten die Reichsgrenzen. Rom befand sich im steten Abwehrkampf und statt Expansion musste verteidigt werden. Civil Romanorum wurde es nun? Alle Einwohner partizipierten.

Samstag, 16. Dezember 2006

8. Einheit vom 14. Dezember 2006

Organisatorisches:
Die Prüfungsfragen werden auf die Website homepage.univie.ac.at/ilja.steffelbauer/ gestellt.

Vortrag:
„Karthago“ von Wolfgang Hameter

Der Historiker Polybos schrieb, warum sich die Römer so rasch im Mittelmeerraum ausbreiten konnten. Nach ihm gab es nur zwei Mächte, die den Raum beherrschen konnten – Karthago und Rom. Polybos geht also davon aus, dass Karthago eine imperiale Macht gewesen wäre. Auch Max Weber zählte Karthago zu den „Machtschöpfungen der antiken Polis“. Es geht dabei aber nicht um die universelle Weltherrschaft sondern inwieweit sich eine antike Polis ausbreitete.

Die Karthager stammen von den Phönikern ab, die sehr bekannte Händler waren. Das Stammland von Phönizien liegt im heutigen Libanon, die größten Städte waren Byblos, Sidon und Tyros. Byblos stellt dabei die älteste Stadt dar, während Sidon und Tyros lange Zeit gleichbedeutend waren, bis sich doch Tyros als die wichtigste Stadt herausbildete. Die phönizische Kolonisation gliedert sich in drei Phasen:
• Die erste Phase (1200-1000 vC): Phönizien handeln im gesamten östlichen Mittelmeerraum, eventuell sogar im ganzen Mittelmeer
• Die zweite Phase (1000-800 vC): als mobile Händler fahren die Phönizier die gesamten Küsten ab
• Die dritte Phase (800-700 vC): es werden Siedlungen gegründet. Der Grund liegt darin den Handel zu aktivieren und Rohstoffe zu lukrieren

Die phönizischen Handelskontakte bzw. Kolonien erstreckten sich über:
Zypern (schon früh eine Kolonie), Ägäis (mannigfaltige Kontakte), Sizilien, Sardinien, Italien, Spanien/Portugal (war vor allem wegen dem Silbervorkommen wichtig), Madeira und die gesamte nordafrikanische Küste bis auf Ägypten. Eventuell waren sie sogar in Amerika (Brasilien). Dies ist aber wohl eine Fälschung. Im Mittelmeer wurde immer gegen den Uhrzeigersinn ein Kreis gefahren um den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Es gab zwei Typen von Kolonien: den griechischen, der als sehr autonom gilt und der phönizische, der als sehr abhängig gilt. Die heutige Forschung aber besagt, dass die griechischen Kolonien doch abhängiger waren und die phönizischen doch autonomer waren.

Zwischen 820-800 vC wird Karthago gegründet, es liegt an der Stelle des heutigen Tunis. Daneben befindet sich Utica. Warum wurde Karthago eigentlich gegründet? Es wird davon ausgegangen, dass es nicht zur Sicherung des Handels sondern zur Erschließung von Ackerland gegründet wurde. Es ist gleich von Beginn an relativ groß und wächst vergleichsweise rasch. In der Glanzzeit werden sogar 6-stöckige Gebäude erbaut, bis sie aber soweit waren verging einiges an Zeit. Zunächst ist noch unklar, wie abhängig Karthago von der Mutterstadt Tyros war. Hameter präsentiert zwei deutsche Autoren, die dabei ziemlich gegensätzliche Ansichten vertreten. Das Problem dabei ist, dass nichts von der damaligen Zeit vorhanden ist und nur auf griechische und römische Quellen zurückgegriffen werden kann – diese sind aber sehr stark mit Vorurteile gegen die Karthager belastet, besonders die römischen Quellen.

In Karthago gibt es eine funktionierende Adelsgesellschaft. Karthago wächst und „irgendwann“ werden die west-phönizischen Kolonien zu karthagischen umgewandelt. Ein Erklärungsansatz ist dabei, dass die Assyrer die Phönizier im Mutterland so stark unter Druck setzten, dass diese sich nicht mehr um die Kolonien kümmern konnten. Karthago wächst also und braucht dementsprechend auch die notwendige Versorgung, dabei wird vor allem auf Weizen von Sizilien und Sardinien zurückgegriffen. Man weiß eigentlich nur über Karthago selbst und Sizilien etwas, weil die Griechen darüber berichten, da sie in unmittelbaren Kontakt mit den Karthagern sind. Dabei loben sich aber die griechischen Autoren selbst, während die Karthager schlecht gemacht werden.

480 vC findet die Schlacht bei Himera statt, angeblich am selben Tag wie die Seeschlacht bei Salamis. Fix ist auf jeden Fall, dass die Karthager verlieren. Die Interpretationen sind aber sehr weitläufig. Im nächsten Jahrhundert kämpfen die Griechen und Karthager um die Vorherrschaft auf Sizilien. Immer wieder werden Friedensabkommen vereinbart, die Karthager sind dabei durchaus bereit, nicht den gesamten Anspruch auf die Insel zu erheben, wenn sie für sich einen „guten“ Frieden ausverhandeln.

Die Phönizier passen immer bei den Heiligtümern an oder errichten selbst einen Tempel. Der zweite karthagisch-römische Vertrag von 348 vC war von deutlichen Vorteilen für Karthago geprägt. Die Römer werden dabei ziemlich eingeschränkt, während den Karthagern viele Rechte eingeräumt werden. Rom braucht aber diesen Friedensvertrag, weil sie zu diesem Zeitpunkt relativ schwach sind. Aber 40 Jahre später wird der dritte Vertrag zwischen Karthagern und Römern vereinbart (306 vC). Die Römer sollen sich dabei von Sizilien fernhalten, Karthago darf nun nicht mehr in Italien intervenieren. Rom hat also einen deutlichen Machtzuwachs in der Zwischenzeit zu verbuchen. Der Vertrag wird aber später von Rom verheimlicht weil sonst hätten sie beim ersten Punischen Krieg den Vertrag gebrochen – und Rom bricht ja keine Verträge, das sind immer nur die Karthager.

Der vierte Vertrag kommt durch das Bündnis gegen Pyrrhos (279/278 vC) zustande. Dieser Vertrag ist aber nur als Zusatzklausel gedacht, es hebt die vorherigen Verträge nicht auf. Die Römer intervenieren dann aber in Sizilien und der erste Punische Krieg bricht aus. Die Römer gewinnen und Sizilien wird von Karthago aufgegeben. Durch einen anschließenden Söldneraufstand wird Karthago zusätzlich geschwächt, es gibt Unruhen auf Korsika und Sardinien. Rom nutzt diese Schwächesituation eiskalt aus und Karthago muss zustimmen, dass Rom diese beiden Inseln übernimmt.

Die Karthago sehen ihr Heil nun darin Spanien an sich zu reißen. Hamilkas Barkas, der Vater Hannibals, marschiert auf der iberischen Halbinsel ein. Dies geschieht in einer sehr effizienten Weise und so können die enormen Reparationszahlungen an Rom rasch zurückgezahlt werden. Es kommt 226/225 zum Ebrovertrag zwischen Hasdrubal und den Römern. Die Römer stimmen dem zu, weil sie selbst gerade mit den italischen Kelten in der Poebene beschäftigt sind. Wiederum geht Karthago also diesen Frieden ein, weil es ein guter Vertrag für sie ist.

Dann kommt Hannibal und es kommt zum zweiten Punischen Krieg, dabei geht um Saguntum (an der Küste Spaniens). Zwei lokale Gruppen rufen die beiden Großmächte jeweils zu Hilfe. Römische Unterhändler kommen zu Karthago und wollen dieses Gebiet für sich in Anspruch nehmen. Für Hannibal ist das unannehmbar, besonders nach der Erfahrung mit Korsika und Sardinien. Es ist nun klar, dass es zum Krieg kommt. Trotzdem betonen die Römer, dass die Karthager die Verträge brechen, da sie behaupten es handle sich nicht um den bekannten Fluss Ebro sondern einen Fluss der viel weiter südlich in Spanien liegt. Am Anfang hat Karthago noch Erfolgserlebnisse, aber es wendet sich dann das Blatt und die Römer gewinnen wieder ihre alten Gebiete zurück.

Wiederum können aber die Karthager ihre Reparationszahlungen rasch zurückbezahlen, was Rom abermals stutzig macht. Sie beschließen nun Karthago vollends zu vernichten, was auch im dritten Punischen Krieg passiert. Unter Caesar wird aber auf dem selbigen Gebiet sehr wohl wieder eine Veteranenkolonie gegründet.

Samstag, 9. Dezember 2006

7. Einheit vom 7. Dezember 2006

„Der Attisch-Delische Seebund“ von Hans Taeuber

1) Geschichte
Die Perser wurden zwei Mal von den Griechen kurz nacheinander besiegt, zunächst 490 bei Marathon und dann 480 bei der Seeschlacht von Salamis. Als Konsequenz der Niederlage von Salamis wurden auch auf Land die Perser ein Jahr später bei der Schlacht von Plataea besiegt. Die Gefahr der Perser war damit für die Griechen gebannt. Um die Perser abwehren zu können wurde ein Hellenenbund gegründet. Sparta war zu der Zeit vorherrschend, sowohl militärisch als auch auf See. Bei Xamos wurde dann ebenfalls ein Sieg gefeiert. Der Anlass des Bundes war nun beseitigt, nun stellte sich die Frage, wie es mit dem Bund weitergehen sollte. Das ganze Randgebiet in Kleinasien wurde kolonisiert, aber immer nur an der Küste. Die Spartaner waren Oberkommandierende und hatten vor die Ionier auf das sichere Festland zu bringen. Die Athener hingegen wollten die Perser verfolgen und angreifen.

Die Entscheidung blieb aus, bis es zu einem Eklat mit einem spartanischen Feldherrn kam. Athen wurde daraufhin das Kommando übergeben, was diese zum eigenen Nutzen ausbauten. Es war die Geburtsstunde des Attisch-Delischen Seebundes. Es mussten von den Bündnispartnern Verträge unterschrieben werden, damit die Beiträge für das Militär verwendet werden konnten. Zentrum sollte die kleine Insel Delos sein. Grundsätzlich unterschied sich dieser Bund nicht von anderen griechischen Bündnissystemen, der Unterschied lag darin, dass Athen die Vorherrschaft hatte und eine hegemoniale Symmachie innehatte, gemeinsam wurde also unter einer Führungsmacht gekämpft. Es gab einen Bundesrat, wo jeder eine Stimme hatte, hier herrschte also eine ausgeglichene Situation. Aber die faktische Machtposition lag bei den Athenern, die durch Druck viel erreichten. Sein Wille wurde überall durchgesetzt.

Als Lebensader dienten die Meerengen, vor allem beim Hellespont. Dies war wichtig wegen dem Getreide, welches vom Schwarzen Meer importiert wurde. Die generelle Strategie von Athen war bei den eroberten Gebieten Kolonien zu errichten. Hier wurden zwei Modelle angewandt. Ersteres waren Bürgerkolonien, zweites war eine eigene Stadt mit enger Beziehung zur Mutterstadt.

Bei diesem Bündnis konnte eigentlich nicht ausgetreten werden. Athen konnte jederzeit gegen jene vorgehen, die austreten wollten. So wurde Naxos 469 sehr bestraft, Athener wurden angesiedelt. Die am meist entwickelte Demokratie war in Athen zu finden, aber die Autorität des Kimon hatte zu leiden wegen seiner Haltung gegenüber Sparta. Er vertrat eine Nichteinmischung am Peloponnes. Durch ein Erdbeben wurde Sparta hart getroffen. Als die Athener ein Hilfskontingent schickten wurde dieses aber abgelehnt. Dies kam einem großen Affront gleich. Es kam zu einem inneren Aufstand in Athen und einer Reform in Athen. Ab nun war Perikles der bestimmende Mann. Dieser nahm keine Rücksicht mehr auf Sparta. Außerdem wollte er gegen die Perser vorgehen mit seiner ägyptischen Expedition (460-455), die aber ein unglückliches Ende fand.

Mit diesem Rückschlag reagierte Athen indem die Bundeskammer von Delos nach Athen verlagert wurde 454. Tributlisten wurden eingeführt, der Bundesrat wurde nun nicht mehr einberufen, nur mehr die athenische Volkskammer hatte zu entscheiden. Es gab dann wieder ein kleines Intermezzo mit Kimon, er stirbt aber. 449 schloss Perikles den Kalliasfrieden, was aber umstritten ist. Doch mit dem Frieden wurde erreicht, was der eigentliche Zweck des Bündnisses war, nämlich zumindest die Tolerierung der ionischen Küstenstädte durch die Perser. Die Kampfhandlungen wurden eingestellt, das Bündnis war nun eigentlich nicht mehr nötig. Tatsächlich wollten viele ihren Tribut nicht mehr bezahlen, so fiel Samos 440 ab, wurde aber brutal wieder zurückerlangt von Perikles. Samos musste nun 1000 Talente bezahlen, so viel wie alle anderen Bündnispartner zusammen.

In den 430ern wurde Sparta gedrängt von Korinth gedrängt etwas gegen Athen zu unternehmen, wurde aber auf offenem Feld besiegt. Dann kam es aber zu einem Einfall der Spartaner nach Athen, umgekehrt griffen deren Schiffe den Peloponnes an. Es gab Versuche Frieden zu schließen, aber erst 421 war dies möglich, als von beiden Seiten die Schlachtfeldheere starben. Nach einer Friedenszeit kam es aber dann doch wieder zu Auseinandersetzungen. Es gab Expeditionen nach Sizilien. Es kam zu einem oligarchischen Umsturz, der aber im folgenden Jahr schon wieder von der Demokratie abgelöst wurde. Die Perser waren lange Zeit die Hauptopfer des Attisch-Delischen Seebundes, und so unterstützten sie die Spartaner. Athen musste dann den Bund auflösen. Eine kleinere Variante wurde dann 378 wieder eingeführt, als man sich von den Spartanern wieder emanzipieren konnte. 357-355 geht aber dann auch der zweite Attisch-Delische Seebund unter, es fällt der Expansionspolitik Philipps II zum Opfer.

2) Struktur
Die Quellelage ist nicht genau. Es gab zwei Phasen vom Attisch-Delischen Seebund, wobei die erste Phase bis 454 nicht beleuchtet wird, wo das Bündnis noch vorhanden war bzw. der Schein von einer Bündnisstruktur. In der zweiten Phase ab 454 war die Symmachie schon sehr ausgefeilt. Die Städte waren nicht mehr selbstständig, de facto waren sie jedem Druck der Athener unterworfen. Es gab Beitragszahlungen die an den Bund zu entrichten waren, wobei die einzelnen Mitglieder je nach Leistungsfähigkeit eingeschätzt wurden. Entweder man steuerte Flotten oder Geld zu.

Im Jahr 748 waren 460 Taler zu entrichten. Später, während dem Peloponnesischen Krieg 425 wurde der Betrag auf 1460 Taler angehoben, also verdreifacht, weil der Krieg so kostspielig war. Zu betonen ist aber, dass der Betrag nie im vollen Umfang eingehoben wurde. Der Zweck des Geldes war der Krieg gegen die Perser, was die Legitimität des Bündnisses darstellte. Wenn Krieg mit den Spartanern herrschte gab es Frieden mit den Persern, oder umgekehrt. Die Flotte Athens musste ausgerüstet werden. Die Beiträge wurden aber auch für den Tempel auf der Akropolis verwendet, wo der Bundesschatz gehortet wurde. Holz und Metall musste zugekauft werden, auch Nahrung. Auch die Theden, die auf den Schiffen arbeiteten, mussten bezahlt werden. Umgekehrt floss das Geld in die athenische Wirtschaft.

Überall wo es Unsicherheiten gab wurden Kolonien gegründet, manchmal sogar Garnisonen aufgestellt. Es gab administrative Beamten und zehn athenische Strategen. Der Gerichtsstand wurde nach Athen verlagert. Die Bundesmitglieder fassten ihre Mitgliedschaft als Zwang auf. Aber sie profitieren auch, denn sie waren vor den Persern geschützt, der Handel wurde gestützt, es gab einen einheitlichen Wirtschaftsraum. Es war ohnehin nur die Frage für die Mitglieder welchem Bündnis sie sich anschließen sollten. So schlossen sie sich der mächtigsten regionalen Macht an.

3) Anwendung auf Imperialismus
Es ist schwer zu sagen, ob die Athener empfunden haben, dass Demokratien imperialistisch sein können. Die athenische Demokratie entstand aus einem Tyrannen. Die Motive des Demos waren einerseits materiell, andererseits ideell. Es ging um die Prestige das Athen durch den Bund bekommen konnte und tatsächlich stark gestiegen war, es hatte sehr großes Selbstvertrauen. Die Armen waren auf den Schiffen (Theden). Es war eine aggressive Großmachtpolitik, gegen den Frieden. Athen hatte nicht nur die erste entwickelte Demokratie sondern auch die erste imperiale Demokratie.

Im Vergleich zu anderen Imperien war es aber kurzfristig und relativ kleinräumig. Der Unterschied zur USA stellt vor allem die Verfassung da. In Athen wurde alles im der Volksversammlung gelöst, während in den USA der Präsident einen ungeheuren Einfluss hat. In der USA gibt es nur eine Person oder einen kleinen Kreis der die Außenpolitik der USA bestimmt. Athen hatte immer wieder massiv darauf hingewiesen, dass die Demokratie die richtige Herrschaftsform ist. Sehr viele Bündnispartner stellten auch tatsächlich ihre Herrschaftsform um, insbesondere wenn es nach Problemen mit Athen zu Zwangshandlungen der Athener kam.

Samstag, 2. Dezember 2006

6. Einheit vom 30. November 2006

Mehr Infos über das heutige Thema gibt es unter: http://sshi.stanford.edu/Conferences/2000-2001/empires2 , der Vortrag von Wiesehofer ist dabei von Relevanz.

Vortrag:
„Das Achämenidische Reich“ von Ilja Steffelbauer

Vortrag ist in 3 Teile gegliedert:
1) Begriffe / Definitionen zu Imperialismus
2) Schnelldurchlauf des Achämendischen Reiches
3) Wie kann Imperialismus auf das Reich angelegt werden?

Ad 1)
Die momentane Aktualität von Imperialismus liegt im Feuilleton der Medien. Auch wegen dem Buch „Imperium“ von Münkler. Der Zugang ist ein wissenschaftssoziologischer. Das Thema wird bei dieser LV behandelt weil aktuelle Diskurse besprochen werden sollen. Sein Zugang ist in der Wissenschaft vom Menschen um dann die Gesellschaft zu beobachten. Es soll auch darauf geachtet werden, was die anderen Disziplinen machen, um auch andere Sichtweisen kennen zu lernen. Der Althistoriker Alexander Demandt schrieb in der Einleitung seines Buches „Das Ende der Weltreiche“ (1997), dass mit dem Zusammenbruch der SU nun das Ende der Weltreiche da sei. Münkler argumentiert da ganz anders. Aber beide Standpunkte sollen miteinander vereint werden.

Beide, Historiker und Politologen, sagen, dass es einen charakteristischen Typ eines Großreiches (Imperium, Universalreich) gibt, die in der Geschichte der Welt einen wesentlichen Platz haben. Es ist in beiden Fällen eine Abstraktion von konkreten Ereignissen. Historische Phänomene sollen versucht erfasst zu werden für die Diskussion. Universalreich (= Weltreich) ist ein Reich, das große Teile der Welt erfasst und eine bedeutenden Einfluss auf diesen Raum hat. In der Regel gibt es Anspruch auf die Dominanz in dieser bekannten Welt. Es ist also eine kontextabhängige Definition. Es sind meist die Perser die als erstes mit dem Begriff Reich bezeichnet werden. Im angloamerikanischen Reich gibt es aber eigentlich nur empire, ist also nicht so vielfältig wie im Deutschen.

Die Imperialismusdefinition ist üblicherweise eine marxistische Definition. Dies ist nicht zu gebrauchen, weil es nur von 1850-1918 relevant war. Genau diese geisteswissenschaftliche Haltung des Anti-Imperialismus ist immer noch virulent. Es ist der Versuch das Imperium als analytische Kategorie zu etablieren. Der Begriff ist aber aufgeladen mit ökonomischer Ausformung (Expansion, Kriegsführung). Dies behindert jedoch den analytischen Zugang. Steffelbauers Zugang ist das Imperium eine Methode sei, die Mächte annehmen müssen um die Imperien werden wollen oder geworden sind um dieses aufrecht zu erhalten. Das ökonomische kann dabei eine Rolle, wenn 19. und 20. Jh. Aber wenn eine andere Epoche behandelt wird, dann müssen die Strukturen der Gesellschaft behandelt werden. Dies folgt einem wissenschafts-theoretischen Zugang, der folgende drei Schritte in der Methode hat:
1) Hypothese aufstellen, die auf mehr oder weniger auf Zufälle hin angewendet werden
2) Mit diesen Hypothesen geht man an die Fakten heran; empirische Daten sollen verifiziert werden
3) Dann fertig, wenn Ergebnisse herauskommen, die zur Modifikation in der Hypothese kommen, ev. sogar Bestätigung, wenn es eine gute Theorie ist.

Ad 2)
Das Achämenidische Reich reichte vom Süden des Balkan bis zum Hindus-Tal, von Zentralasien bis Libyen. Es gibt drei Begriffe zu unterscheiden: Perser, Meder, Achämenider. Indoiranische Gruppen kamen aus dem SO in den Iran (vor allem Meder). Diese Iraner besetzen die Hoch- und Gebirgsländer (Hirten und Nomaden). Sie kommen rasch mit dortigen Hochkulturen in Kontakt. Im Gebiet der Persis (--> Perser) ansässig. Die führende Dynastie hatte sich selbst als Achämenider bezeichnet. Die Reichsbildung beginnt also mit den Medern. 559 vZ entschließt sich Kyros II gegen die Meder aufzulehnen. Das medische wird zum persischen Reich. – aber es fällt keinem auf, denn es wird weiterhin als Mederreich bezeichnet von anderen. Die Reichspolitik der Meder wird fortgesetzt. Es wird begonnen in Kleinasien aktiv zu werden, 546 vZ werden die Lyer besiegt, die Perser haben nun auf einmal ein Reich bis zur westlichen Ägäis. Für die Griechen (und damit den Westen) ist dies ein großes Thema, weil es Unabhängigkeitskämpfe der griechischen Koloniestädten gibt. Für die Perser war dies aber ein Nebenschauplatz. 539 vZ wird ohne Grund der Schritt gesetzt Babylon zu erobern. Babylon geht fast mit Begeisterung und freiwillig in das Reich der Perser (die Juden kehren nun nach Palästina heim). Die Perser wenden sich dem Osten des Reiches zu, denn umherziehende Nomaden sind problematisch für sie. Nur Ägypten steht dagegen und im Reich lehnen sich Grieche und Nomadenstämme auf. Es werden aber dann doch die Grenzen gesichert und ein Angriff auf Ägypten passiert. Dies ist wiederum rätselhaft – weil ohne Grund. Es wird aber zT behauptet, dass es Wirren in Ägypten gab und deswegen hätten dies die Perser ausgenutzt. Zwar gab es Widerstand in Ägypten, aber ohne große Probleme für die Perser. Dareios I putscht sich schließlich an die Macht. Erst dann wird von Achämeniden gesprochen. Die Machtergreifung war von einer verwandtschaftlichen, aber anderen Sippe. Dareios war sehr selbstbewusst und setzte viele Reformen durch. Er teilte das Reich in Satrapien ein, zuvor dürfte es nur eine Personalunion gewesen sein. Der Herrscher war ein Großkönig. Er versuchte auch im Osten „aufzuräumen“, allerdings utopische Idee die Skythen einzuschließen. Thrakien wird zwar unterworfen (492 vZ) und nordgriechische Kleinstaaten werden unterworfen. Aber eigentlich ist es ein Fehlschlag. Es gab Wirren wegen ionischem Aufstand, der aber niedergeschlagen wird. Es gab dann die Strafexpedition gegen Athen --> Marathon, dieser Mythos. Sobald bewusste Reichspolitik betrieben wurde, war es verhängnisvoll für die Perser. Xerxes verliert dann wieder gegen die Griechen bei einer Seeschlacht. Dann beginnt man von reiner Expansion umzustellen auf Defensive. Dareios II dann Vermittlung des Königfriedens 386 vZ und setzt sich zunehmend für Sparta ein. Es wird nun nicht mehr militärisch unterworfen sondern lokale Mächtige werden unterstützt. Artaxerxes II dann wieder große Probleme in Griechenland, die Politik wird immer restriktiver. Artaxerxes III wendet dann größte Härte an um die Spannungen zu lösen. Dareios III fiel dann Alexander zum Opfer. Die Forscher denken, dass die Perser aber nicht in einer strukturellen Krise waren. Oft wurde behauptet, dass Alexander nur so erfolgreich war, weil das Perserreich innerlich verrottet war. Die neuere Forschung behauptet, dass es keine Zerfallserscheinungen gab. Der Erfolg war ein militärischer, Schwächen waren vor allem charakteristisch im System, denn es gab Tendenzen sich vom Großkönig zu lösen.

Ad 3)
Nun bringt Steffelbauer einige „Features“:
1) Eine Münkler-These besagt, dass Imperien den Zwang haben bei Staaten mit zerfallener Staatlichkeit aktiv zu werden um dort stabilisierend einzugreifen. Dies ist interessant, weil der persische Aufstieg eher unmotiviert vor sich gegangen ist. Die bisherigen Ansätze gingen alle mehr in eine machiavellistischen Logik aus. Sie greifen in eine beginnende Krise ein.
2) Bei Münkler wird von der „Augustinischen Schwelle“ gesprochen. Imperien sind in der Anfangsphase stark von expansionistischen Kräften angetrieben, überdehnen sich dann aber und kollabieren. Dies wird nur Einhalt dadurch geboten, indem die Strukturen verändert werden, also durch Reformen eines einsichtigen Menschen (zB Augustus). Dies kann auf Dareios I gut umgelegt werden (wenn auch der Skythenfeldzug).
3) Münkler behauptet, dass Imperien in der Lage sein müssen, dass sie auch die Eliten an den Grenzen aber auch darüber hinaus sich mit dem Imperium identifizieren. Das Achämenidische Reich war darin sehr erfolgreich, zumindest was bei Herodot erwähnt wird. Das Persische Reich konnte die lokalen Eliten der unterworfenen Völker an sich binden. Auch auf lokaler Ebene gab es Kooperation, sie änderten nicht viel und beließen es meist. Ausgenommen davon war das Militär, Oberkommandierende waren Perser. Nur wenige kamen von außen dort nach oben. Deshalb war auch die Armee eine der Stützten des Großkönigs. Die zweite Stütze sind die Steuern. Auch bei den auswärtigen Eliten war man erfolgreich. So bewunderten die Griechen sehr wohl die Perser. Die griechische Aristokratie wurde durchdrungen.
4) Imperien unterliegen einem Beutezwang. Das persische System an Beteiligung der Ausbeutung ist ganz gut. Im Selbstverständnis gab der Großkönig Geschenke. Aber auch sozialer Friede und Versorgung mit Lebensmittel zählte dazu. Der Bevölkerung wurde vermittelt, dass sie etwas von Beute bekämen. Hauptprofiteuere aber waren, natürlich, die unmittelbare Aristokratie herum, die sehr direkt und einen großen Anteil am Gewinn beteiligt waren.

Freitag, 24. November 2006

5. Einheit vom 23. November 2006

Vortrag:
„Caesars Reichidee“ von Dobesch

Rom besitzt in der Zeit der Republik nur Gebiet im mediterranen Raum und Klima. Über dieses Gebiet hinaus stößt es nur nach Spanien (vor allem wegen dem Erzvorkommen, kriegerische Bevölkerung). Überall an der Küste des Mittelalters wird expandiert (außer Mauretanien und Ägypten). So wird auch der Alpenbogen nicht erobert, was taktisch klug ist – die dortigen Völker verteidigen sich selbst und Alpen selbst sind bereits ein Schutz.

Rom war immer stolz seine Bundesgenossen zu verteidigen. Eigentlich aber werden nur die gerechten Gründe für den gerechten Krieg gefunden.

Caesar erobert dann Gallien – eigentlich ohne Grund. Wo Rom nicht verwickelt war, gab es trotzdem ein diplomatisches Instrument: die staatliche Gastfreund. Dies ist zwar Freundschaft, aber kein Verpflichtung zur militärischen Hilfeleistung. So ein Beispiel sind die Noriker oder die Haeduer – ein starker und mächtiger keltischer Stamm im NO des Rhone-Tales. Diese werden vernichtend geschlagen, doch Rom ist es moralisch und politisch egal. Das Blatt wendet sich aber 58 v. Chr. als Caesar ein Bündnis eingeht und den Feldzug führt. Caesar hat sich dazu hinreißen lassen, sich in gallische Angelegenheiten einzumischen (und damit den ersten Schritt zur Eroberung ganz Galliens zu setzen), warum war das in der Republik nie passiert?
1) Die spanischen Kriege waren noch nicht verdaut --> sehr verlustreich
2) Es wäre eine Eroberung ad infinitum gewesen

Caesar aber fand eine Grenze – was so entscheidend war! – indem er „größenwahnsinnig“ entschied die Grenzen mit Ozean und Rhein anzugeben. Aber er konnte Gallien in nur neun Jahren erobern, während Spanien über zwei Jahrhunderte brauchte. Caesar verlässt mit dieser Eroberung ganz klar den mediterranen Raum – und hatte keinerlei Berechtigung dafür vom Volk erhalten. Eine Person drückt Rom seinen Willen auf, ein extremes Beispiel wie eine Person Geschichte macht.

Caesar hatte vor seinem Tod noch den Plan gegen die Parther vorzugehen. Danach wollte er die Skythen besiegen um anschließend sich Germanien einzuverleiben um schließlich wieder in Gallien anzukommen --> siehe Handout. Er erfasste damit Europa in besonderer Weise, denn er denkt, dass das Kaspische Meer ein Meeresbusen des Ozeans wäre – für ihn existierte das heutige Russland nicht, sondern für ihn war dort Ozean. Er hätte also ganz Europa erobert gehabt.

Rom träumte immer vom Parther-Reich, wenn es imperialistisch träumte. Es war bereits ein großer Verzicht Indien nicht zu erobern – dies hätte kompletten Universalismus bedeutet. Caesar verlor kein Wort davon, diese Gebiete zu erobern – dafür aber Nordeuropa. Damit brach er das Denken der damaligen Zeit – das Zonen-Denken. Caesar hatte keine doktrinäre Weltsicht, wo es unmöglich war, musste auch er sich bescheiden. Er wollte also Kleinasien und Europa – dies zeigte, dass er nicht größenwahnsinnig war. Es kann behauptet werden, dass die Mörder Caesars das Parther-Reich gerettet hatten.

Es folgten furchtbare Bürgerkriege in Rom. Augustus wurde immer wichtiger, er dividierte die Bürgerkriege, spätestens mit der Eroberung Ägyptens verschaffte er sich das nötige Ansehen. Seine absolute Aufgabe war es, Rom eine neue Form zu geben. Seine Zeitgenossen hatten aber sofort neue expansionistische Gedanken – aber Augustus beließ die Grenzen. Innenpolitisch wurden die Parther ideologisch verbrämt als minderwertiges Volk, welches man großzügiger bestehen ließ. Außenpolitisch hingegen stand es auf einer Stufe mit Rom. Der Verzicht Roms beruhte auf der Einsicht, dass Roms Kräfte bis auf letzte beansprucht werden hätten müssen.

Die Nordgrenze war Rom wichtiger – der ganze Alpenbogen wird erobert --> Bruch mit Römischer Republik. Es ist ein Plan gegen Mitteleuropa deutlich. Es sollte die Grenze Elbe-Böhmen-Donau als Grenzen eingerichtet werden, was gerade noch realistisch für Rom war. Es ist ein Erbe Caesars das Mitteleuropa so eine Rolle für Rom spielt, wider Erwarten wird nicht gegen das Partherreich gekämpft sondern überraschend für Europa. Es gab das Primat der lateinischen Westhälfte, Augustus war sehr europäisch. Jenseits des Rheins musste abgebrochen werden.

Also 1) zuerst Republikanisch; 2) dann kommt Caesar und sprengt bisherige Grenzen und 3) Augustus ist ganz auf den Spuren Caesars.

Sonntag, 19. November 2006

4. Einheit vom 16. November 2006

Allg.: es gibt ein Handout von Heftner, wo auch Zusatzinformation enthalten ist.
Zum Folgenden sind zT die fünf Zetteln von Hefter von Nöten.

Vortrag:
„Der römische Imperialismus“ von Herbert Heftner

Imperialismus als Begriff auf das Römische Reich ist sehr umstritten; es ist fraglich ob man es so auf das 19./20. Jh. anwenden kann.

Die Römer haben schon zu einem frühen Zeitpunkt in der Republik versucht einen geographischen Raum zu kontrollieren, im Hinblick darauf seine Einflusssphären vor anderen stärkeren bzw. gleich starken Mächten zu sichern. Es wurde mit Karthago über einen Vertrag diskutiert, dass sie sich gegenseitig nicht in Konflikte auf ihrem Territorium einmischen, es ging sogar soweit, dass sie in den Einflusssphären nicht eingreifen durften.

Das Schema der Expansion war immer dasselbe: Bündnisse mit Nachbarn zu schließen um die Stärkeren zu besiegen. Die Nachbarn wurden bereits zuvor in ein Bündnis eingeschlossen und die Besiegten wurden ebenfalls in ein Bündnis mit Rom gezwungen. Die Hellenistische Welt kam ab den 280er Jahren ins Spiel --> Pyrrhus-Sieg (legendenumwoben). Die Römer hatten damals schon den ganzen Süden Italiens als ihr Gebiet angesehen, andere Mächte sollten sich gefälligst aus diesem Raum heraushalten. Etwa südlich die Linie Pisa-Rimini wurde die Nordgrenze festgelegt, alles südlich davon wurde mehr oder weniger als römisches Gebiet angesehen. Es gab ein weites Feld der indirekten Herrschaft. Manche Bündnisse hatten eine Sonderstellung, wie etwa die Latiner (siehe Handout). Es war von Vorteil günstige Vertragsbestimmungen zu haben. Dies klingt paradox, aber in der Praxis hatte es sehr wohl Auswirkungen (foedus aequum oder foedus iniquum). Italische Bundesgenossen:
1) Wurden als Ausländer von Rom aus angesehen, es waren souveräne Staaten die gewisse Bereiche abgaben
2) Mussten militärische Unterstützung leisten
3) Besser gestellte konnten hierbei Ausnahmen erreichen
4) Sie waren nicht tributpflichtig! Dies stand gewöhnlich für Demut, und so war die „Partnerschaft“ einigermaßen ehrenvoll, auch wenn die Machtrealität klar war – in einem asymmetrischen Verhältnis.
Die Römer sahen sich als Patrone ihrer Freunde und Verbündeten an. Einflussreiche römische Politiker sahen sich als Patrone von einzelnen Bundesgenossen und Politiker dieser Gemeinden an  Kategorie des Bundesgenossensystems.

Der nächste Schritt wurde 264 unternommen, als Rom auf Sizilien intervenierte und damit in Karthago’s Einflussspähre eindrang. Karthago reagierte prompt und griff die Römer an --> der 1. Punische Krieg brach aus. Das Kriegsglück wechselte zunächst, 256 sah es aber so aus, dass die Römer kurz vor dem totalen Sieg standen. Sie offerierten Friedensbedingungen, die aber nicht annehmbar für die Kartager waren, da die Karthager mit all ihren Überseegebieten in ein Bündnissystem hätten kommen sollen. Der schlussendliche Friedensvertrag von 241 gab zwar Zugeständnisse an Rom – Sizilien wurde abgetreten, hohe Reperationszahlungen – aber bei weitem nicht so harsch wie zuvor.

Auf Sizilien war über eine lange Zeit starke römische Heere stationiert während des Krieges --> diese bekamen einen starken hellenistischen Einfluss. Die sizilianischen Gemeinden gewöhnten sich unter Heeresgewalt zu stehen. Mit dem Friedensschluss zogen sich die Truppen zurück. Eventuell gab es dann gar keinen Statthalter, sondern Sizilien wurde nur über Dekret von Rom aus regiert. Dann wurden zwei weitere Inseln einverleibt – Korsika und Sardinien. Eine Schwäche Karthagos wurde ausgenutzt und 238 wurden die beiden Inseln erobert. Es gab aber Widerstand der lokalen Bevölkerung. Ständig war der Konsul/Praetor erforderlich, um die Kontrolle aufrecht zu erhalten. Dies zwang Rom schließlich eine neue Regelung einzuführen (um 227), dass zwei weitere Praetoren eingesetzt wurden. Einer für Korsika und Sardinien, der andere für Sizilien. Damit wurde eine provincia geschaffen --> das römische Provinzialsystem wurde aufgebaut. Diese hatten untertänig zu sein und waren unter der direkten Herrschaft von Rom. Das neue System mit Statthaltern war nicht mehr eine zwischendiplomatische Beziehung, sondern ein Militärgouvernement. Der zweite Unterschied zu früher war, dass zum größten Teil diese Gebiete tributpflichtig wurden.

Der 2. Punische Krieg wurde 201 formell gewonnen. 197 wurden dann die zwei Provinzen in Spanien eingegliedert. An der Entstehung dieses Krieges hatte Rom große Verantwortung, wenn nicht gar eine Alleinschuld. Rom sah die Chance ihren Machtbereich über das Eroberte hinaus zu erreichen. Es gab aber nicht nur Eroberung, sondern auch eine Romanisierung. Rom war eindeutig aggressiv und wollte den Krieg. Allen Feinden von Philipp V. (Makedonien) wurde Rückendeckung versprochen. Sie Mischten sich auch bei Konflikten ein. Philipp wurde dann aber entscheiden besiegt, die Römer sahen sich dann als Mentor für Freiheit. Der nächste Konflikt setzte ein mit den Seleukiden, die Römer erlangten schließlich den durchschlagenden Sieg, wie fünf Jahre zuvor gegen Philipp. Die Seleukiden ziehen sich aus Kleinasien zurück. Die Römer können so die Region neu ordnen. Wenn die Römer Geschenke gaben, dann druften sie nur solange behalten werden, solange der Senat (das Volk) das wollte --> hängt also vom Wohlverhalten der Völker ab. Zunächst wurde nicht an Herrschaft gedacht, sehr wohl aber wurde davon ausgegangen, dass diese Gebiete den Römern zu gehorchen hätten. Dies war ein Widerspruch zur „Freiheit“ von Rom, die versprochen wurde. Dies stieß den Griechen auf, was wiederum bei den Römern Zweifel bei der Loyalität der Griechen hinterließ. Der neue König in Makedonien Perseus machte Rom nervös und sie brachen einen Krieg vom Zaun (3. Römisch-Makedonischer Krieg). Dieser endete 168 mit einer vernichtenden Niederlage und der Monarchie der Makedonier wurde ein Ende gesetzt, das Reich aufgelöst. Es wurden vier Teilgebiete geschaffen, die Befehlempfänger waren und untertänig waren. Die Hälfte der Steuern hatten nun an Rom zu gehen.

Von 149-146 fand der 3. Punische Krieg statt. Rom setzte ein Ultimatum, welches einer Selbstzerstörung von Karthago gleichkam. Als Widerstand dagegen aufkam, wurde Karthago komplett vernichtet. Stattdessen wurde die neue Provinz Africa eingerichtet. Zeitgleich fand ein Aufstand in Makedonien statt, der niedergeschlagen wurde – es wurde die Provinz Macedonia geschaffen. Auch ein Krieg gegen die Achäer fand statt – Korinth wurde dabei vernichtet.

Kann man nun ein Muster in all diesen Handlungen sehen, im Sinne des modernen Verständnisses von Imperialismus?

Wesentlich sind die Streitfragen: Waren es bewusste Entscheidungen? War es bewusster römischer Herrschaftswille?
Im Hinblick auf das Ergebnis und wie mit den Besiegten umgegangen wurde, ist die Antwort ganz klar. Aber der Herrschaftswille wird nach Heftner als ein defensiver bezeichnet. Es war nicht ein wollen sondern ein müssen, dass die Gebiete kontrolliert wurden. Die Interessen mussten abgesichert werden, damit die Gegner nicht zu groß wurden.

Schwieriger ist die Frage: Ist Expansion gleich mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie die europäische Kolonisation anzusehen?
Dies wird von Heftner in Abrede gestellt. Die einzelnen Fälle sind zu vielschichtig, als dass eine Formel gebildet werden kann. Ob Gebiet direkt oder indirekt kontrolliert wurde, wurde nicht nach wirtschaftlichen sondern nach machtpolitischen Kriterien entschieden. Aber wenn die Kontrolle da war, dann setzte sehr wohl die wirtschaftliche Ausbeutung ein. Nach dem 3. Römisch-Makedonischen Krieg verfügten die Römer noch, dass die Goldminen geschlossen werden sollen. Bei der nächsten Intervention wurden die Minen dann wieder eröffnet --> sicherlich zum Nutzen der der römischen Kapitalinteressen. Viele Geschäftsleute in den Provinzen gingen in die Provinzen und hatten ein Naheverhältnis zur politischen Klasse in Rom ausgenutzt. Die Geschäftsleute machten sich schnell verhasst und 89 wurde sogar noch einmal die Herrschaft der Römer in Frage gestellt.

Die Kosten des Erfolgs strahlten auch auf die Innenpolitik zurück --> Krisen wurden ausgelöst --> Fall der Republik und Errichtung des Prinzipatsystems.

Heftner wollte noch viel mehr Ausführungen machen – die Zeit lies es allerdings nicht zu. Manchmal wäre ein besseres Zeitmanagement der Professoren gefragt…

Mittwoch, 15. November 2006

3. Einheit vom 09. November 2006

„Phase der ägyptischen Reichsbildung“ von ?

Für den Vortragenden ist es problematisch, den wertenden Begriff Imperialismus auf Völker anzuwenden, die den Begriff als solchen gar nicht kannten.

Die altägyptische Bevölkerung war sehr heterogen. Der König fühlte sich als Gottkönig, der für das Land verantwortlich war. Aus seiner Perspektive war um Ägypten herum Chaos. Ursprünglich war Ägypten nicht auf Landgewinn aus.

Ägypten ruhte auf sich selbst, hatte aber das Potential der Expansion. Obwohl sie Imperialismus nicht kannten, kann gesagt werden, dass sie durchaus in imperialistischen Kategorien dachten. Bereits die 1. Dynastie nahm eine komplette Umsiedlung der Bevölkerung im Land vor. Man wollte die eigenen Leute komplett unter Kontrolle haben. Das Land wurde ganz umgekrempelt.

Die Pharaonen sammelten 25-30% der Bevölkerung um sich, um Pyramiden und Residenzstädte aufzubauen. Es gab sehr wohl immer Sklaven, sie wurden wie „Hühner in der Batterie“ gehalten. Es ging den Sklaven immer dann besser, wenn die Zentralgewalt schwächer wurde. Nubien wurde vollkommen geleert von Menschen und nach Ägypten zwangsumgesiedelt. Dieser Vorgang wiederholte sich in der 4. Dynastie. Auch Sinai wurde menschenleer gemacht, nur die Bergwerksbetriebe wurden übernommen.

Ägypten suchte sich außerhalb des Landes Partner für Handel und Diplomatie. Byblos wurde bevorzugt, weil schon im 4. Jtd. , aber vor allem im 3. Jtd. viele Rohstoffe geliefert wurden (Zedern, Tannenholz für Schiffsholz, Olivenöl, Wein). Ägypten exportierte Gold und Felle. Enorm wichtig war Know-how, weil man weit hinterher hinkte (Schiffsbau, Keramik).

Das Königtum ging dann danieder und teilte sich in Fürstentümer. Erst mit dem Beginn des Mittleren Reiches wird das Land wieder vereint. Nubien wurde besetzt mit Beginn der 12. Dynastie. Viele Festungen wurden errichtet, vor allem in Unternubien. Diese gewaltigen Militäranlagen wurden vor allem zur Abwehr der Herrscher von Kusch gebaut (Kerma-Kultur), die hervorragende Kämpfer und Bogenschützen waren. Die Kerma warten die erste Großmacht in Afrika neben Ägypten. Auch die Kerma waren sehr stark befestigt und lernten sehr viel von den Ägyptern. Einerseits waren die Kerma Handelspartner, andererseits aber Gegner. Dies musste die 13. Dynastie einsehen, denn Ägypten verfiel.

Im Nordosten des Landes wurden Asiaten geholt, als Soldaten, Seeleute, Handelstreibende. Es wurde eine Art Freihandelsstadt errichtet, Avaris. Dort startete ein Eigenleben, dass im 13. Jh v.Z. nicht mehr kontrollierbar war. Sie führten das Vasallensystem ein. Als Gefahr trat bei der 16. Dynastie die Hyksos auf, welche zusammen mit den Kerma Ägypten unter Druck setzte. Es gab Raubzüge der Kerma, nur Theben konnte nicht eingenommen werden. Der 17. Dynastie gelang es die Hyksos zu besiegen und stand nun an der Schwelle des Neuen Reiches. Nun war es fast gezwungen, auf neue Territorien zu greifen und diese zu kontrollieren, vor allem um die Demütigung der Raubzüge zu beseitigen, was also Trauma vorhanden war. Die 18. Dynastie entschied, dass so etwas nie wieder passieren dürfe. Nun sollten alle Gefahren bereits an der Wurzel beseitigt werden. Die palästinensischen Handelsstädte wurden belassen. Man wandte sich aber in Richtung Nubien und eroberte Unternubien, vor allem wegen dem dortigen Gold. Dann griff man auch Kusch an und sie wurden besiegt. Große Mengen an Leute wurden in den Norden transportiert und in Camps gehalten.

Alte Festungsstädte wurden renoviert und in Obernubien wurden unzählige Tempelanlagen errichtet, ein Ausdruck des Gottkönigs. Es wurde also nicht nur administrativ verwaltet, sondern man versuchte es spirituell zu durchdringen. Es war sehr gut verwaltet – direkt und erfolgreich. Vor allem auch wegen der Ausbeutung von Gold, was enorme Bedeutung für den Handel hatte; es kann auch als Überfluss angesehen werden.

Im 18. Jh. fand ein Kampf mit den Mitanni aus dem Euphratgebiet statt. Es gab sogar einen Vorstoß nach Syrien um dieses Volk zu besiegen, stieß man bis zum Euphrat vor. Thutmosis III war gezwungen gegen 300 Stadtstaaten vorzugehen, bevor diese die Ägypter angegriffen hätten. Diese Kämpfe wiederholten sich von da an jährlich um die Gebiete zu halten. Dabei folgte man nicht dem Nubischen Modell, sondern hatte ein Vasallensystem.

Die 19. Dynastie musste Ägypten ausrücken um mit den Hethitern zu kämpfen. Diese waren nun die großen Gegner. In der 20. Dynastie unter Ramses III, der letzte große König, fand ein unerhörter Vorfall statt: zunächst gab es eine Versöhnung mit Ramses II, aber wegen großer Migrationsströme durch den Bevölkerungsdruck aus Anatolien ging das letzte Gebiet von Palästina verloren. Bald danach gingen auch die Gebiete in Nubien verloren. Vom Westen gab es eine Invasion der Lybier. In der Folgezeit verarmte Äypten und zerfällt zumindest in zwei Teile. Es gab dann zwar noch einmal einen Versuch Palästina einzunehmen, es stellte aber nicht mehr als einen Raubzug dar. Die imperiale Zeit hatte mit Ramses III aufgehört.
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