7. Einheit vom 7. Dezember 2006

„Der Attisch-Delische Seebund“ von Hans Taeuber

1) Geschichte
Die Perser wurden zwei Mal von den Griechen kurz nacheinander besiegt, zunächst 490 bei Marathon und dann 480 bei der Seeschlacht von Salamis. Als Konsequenz der Niederlage von Salamis wurden auch auf Land die Perser ein Jahr später bei der Schlacht von Plataea besiegt. Die Gefahr der Perser war damit für die Griechen gebannt. Um die Perser abwehren zu können wurde ein Hellenenbund gegründet. Sparta war zu der Zeit vorherrschend, sowohl militärisch als auch auf See. Bei Xamos wurde dann ebenfalls ein Sieg gefeiert. Der Anlass des Bundes war nun beseitigt, nun stellte sich die Frage, wie es mit dem Bund weitergehen sollte. Das ganze Randgebiet in Kleinasien wurde kolonisiert, aber immer nur an der Küste. Die Spartaner waren Oberkommandierende und hatten vor die Ionier auf das sichere Festland zu bringen. Die Athener hingegen wollten die Perser verfolgen und angreifen.

Die Entscheidung blieb aus, bis es zu einem Eklat mit einem spartanischen Feldherrn kam. Athen wurde daraufhin das Kommando übergeben, was diese zum eigenen Nutzen ausbauten. Es war die Geburtsstunde des Attisch-Delischen Seebundes. Es mussten von den Bündnispartnern Verträge unterschrieben werden, damit die Beiträge für das Militär verwendet werden konnten. Zentrum sollte die kleine Insel Delos sein. Grundsätzlich unterschied sich dieser Bund nicht von anderen griechischen Bündnissystemen, der Unterschied lag darin, dass Athen die Vorherrschaft hatte und eine hegemoniale Symmachie innehatte, gemeinsam wurde also unter einer Führungsmacht gekämpft. Es gab einen Bundesrat, wo jeder eine Stimme hatte, hier herrschte also eine ausgeglichene Situation. Aber die faktische Machtposition lag bei den Athenern, die durch Druck viel erreichten. Sein Wille wurde überall durchgesetzt.

Als Lebensader dienten die Meerengen, vor allem beim Hellespont. Dies war wichtig wegen dem Getreide, welches vom Schwarzen Meer importiert wurde. Die generelle Strategie von Athen war bei den eroberten Gebieten Kolonien zu errichten. Hier wurden zwei Modelle angewandt. Ersteres waren Bürgerkolonien, zweites war eine eigene Stadt mit enger Beziehung zur Mutterstadt.

Bei diesem Bündnis konnte eigentlich nicht ausgetreten werden. Athen konnte jederzeit gegen jene vorgehen, die austreten wollten. So wurde Naxos 469 sehr bestraft, Athener wurden angesiedelt. Die am meist entwickelte Demokratie war in Athen zu finden, aber die Autorität des Kimon hatte zu leiden wegen seiner Haltung gegenüber Sparta. Er vertrat eine Nichteinmischung am Peloponnes. Durch ein Erdbeben wurde Sparta hart getroffen. Als die Athener ein Hilfskontingent schickten wurde dieses aber abgelehnt. Dies kam einem großen Affront gleich. Es kam zu einem inneren Aufstand in Athen und einer Reform in Athen. Ab nun war Perikles der bestimmende Mann. Dieser nahm keine Rücksicht mehr auf Sparta. Außerdem wollte er gegen die Perser vorgehen mit seiner ägyptischen Expedition (460-455), die aber ein unglückliches Ende fand.

Mit diesem Rückschlag reagierte Athen indem die Bundeskammer von Delos nach Athen verlagert wurde 454. Tributlisten wurden eingeführt, der Bundesrat wurde nun nicht mehr einberufen, nur mehr die athenische Volkskammer hatte zu entscheiden. Es gab dann wieder ein kleines Intermezzo mit Kimon, er stirbt aber. 449 schloss Perikles den Kalliasfrieden, was aber umstritten ist. Doch mit dem Frieden wurde erreicht, was der eigentliche Zweck des Bündnisses war, nämlich zumindest die Tolerierung der ionischen Küstenstädte durch die Perser. Die Kampfhandlungen wurden eingestellt, das Bündnis war nun eigentlich nicht mehr nötig. Tatsächlich wollten viele ihren Tribut nicht mehr bezahlen, so fiel Samos 440 ab, wurde aber brutal wieder zurückerlangt von Perikles. Samos musste nun 1000 Talente bezahlen, so viel wie alle anderen Bündnispartner zusammen.

In den 430ern wurde Sparta gedrängt von Korinth gedrängt etwas gegen Athen zu unternehmen, wurde aber auf offenem Feld besiegt. Dann kam es aber zu einem Einfall der Spartaner nach Athen, umgekehrt griffen deren Schiffe den Peloponnes an. Es gab Versuche Frieden zu schließen, aber erst 421 war dies möglich, als von beiden Seiten die Schlachtfeldheere starben. Nach einer Friedenszeit kam es aber dann doch wieder zu Auseinandersetzungen. Es gab Expeditionen nach Sizilien. Es kam zu einem oligarchischen Umsturz, der aber im folgenden Jahr schon wieder von der Demokratie abgelöst wurde. Die Perser waren lange Zeit die Hauptopfer des Attisch-Delischen Seebundes, und so unterstützten sie die Spartaner. Athen musste dann den Bund auflösen. Eine kleinere Variante wurde dann 378 wieder eingeführt, als man sich von den Spartanern wieder emanzipieren konnte. 357-355 geht aber dann auch der zweite Attisch-Delische Seebund unter, es fällt der Expansionspolitik Philipps II zum Opfer.

2) Struktur
Die Quellelage ist nicht genau. Es gab zwei Phasen vom Attisch-Delischen Seebund, wobei die erste Phase bis 454 nicht beleuchtet wird, wo das Bündnis noch vorhanden war bzw. der Schein von einer Bündnisstruktur. In der zweiten Phase ab 454 war die Symmachie schon sehr ausgefeilt. Die Städte waren nicht mehr selbstständig, de facto waren sie jedem Druck der Athener unterworfen. Es gab Beitragszahlungen die an den Bund zu entrichten waren, wobei die einzelnen Mitglieder je nach Leistungsfähigkeit eingeschätzt wurden. Entweder man steuerte Flotten oder Geld zu.

Im Jahr 748 waren 460 Taler zu entrichten. Später, während dem Peloponnesischen Krieg 425 wurde der Betrag auf 1460 Taler angehoben, also verdreifacht, weil der Krieg so kostspielig war. Zu betonen ist aber, dass der Betrag nie im vollen Umfang eingehoben wurde. Der Zweck des Geldes war der Krieg gegen die Perser, was die Legitimität des Bündnisses darstellte. Wenn Krieg mit den Spartanern herrschte gab es Frieden mit den Persern, oder umgekehrt. Die Flotte Athens musste ausgerüstet werden. Die Beiträge wurden aber auch für den Tempel auf der Akropolis verwendet, wo der Bundesschatz gehortet wurde. Holz und Metall musste zugekauft werden, auch Nahrung. Auch die Theden, die auf den Schiffen arbeiteten, mussten bezahlt werden. Umgekehrt floss das Geld in die athenische Wirtschaft.

Überall wo es Unsicherheiten gab wurden Kolonien gegründet, manchmal sogar Garnisonen aufgestellt. Es gab administrative Beamten und zehn athenische Strategen. Der Gerichtsstand wurde nach Athen verlagert. Die Bundesmitglieder fassten ihre Mitgliedschaft als Zwang auf. Aber sie profitieren auch, denn sie waren vor den Persern geschützt, der Handel wurde gestützt, es gab einen einheitlichen Wirtschaftsraum. Es war ohnehin nur die Frage für die Mitglieder welchem Bündnis sie sich anschließen sollten. So schlossen sie sich der mächtigsten regionalen Macht an.

3) Anwendung auf Imperialismus
Es ist schwer zu sagen, ob die Athener empfunden haben, dass Demokratien imperialistisch sein können. Die athenische Demokratie entstand aus einem Tyrannen. Die Motive des Demos waren einerseits materiell, andererseits ideell. Es ging um die Prestige das Athen durch den Bund bekommen konnte und tatsächlich stark gestiegen war, es hatte sehr großes Selbstvertrauen. Die Armen waren auf den Schiffen (Theden). Es war eine aggressive Großmachtpolitik, gegen den Frieden. Athen hatte nicht nur die erste entwickelte Demokratie sondern auch die erste imperiale Demokratie.

Im Vergleich zu anderen Imperien war es aber kurzfristig und relativ kleinräumig. Der Unterschied zur USA stellt vor allem die Verfassung da. In Athen wurde alles im der Volksversammlung gelöst, während in den USA der Präsident einen ungeheuren Einfluss hat. In der USA gibt es nur eine Person oder einen kleinen Kreis der die Außenpolitik der USA bestimmt. Athen hatte immer wieder massiv darauf hingewiesen, dass die Demokratie die richtige Herrschaftsform ist. Sehr viele Bündnispartner stellten auch tatsächlich ihre Herrschaftsform um, insbesondere wenn es nach Problemen mit Athen zu Zwangshandlungen der Athener kam.
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